Wer zu einem MBA-Studium zugelassen werden will, muss den GMAT bestehen. Der Test ist hart, aber man kann sich vorbereiten.

Warum gibt es den GMAT?

Ohne den erfolgreich absolvierten "Graduate Management Admission Test" (GMAT) kann man sich nicht für einen betriebswirtschaftlichen Masterstudiengang an einer Business School bewerben. Mit dem standardisierten Test sollen Bewerber zeigen, dass sie für ein Wirtschaftsstudium geeignet sind. Deutsche Hochschulen verlangen einen GMAT-Wert zwischen 400 und 600 Punkten.

Je renommierter die Hochschule, desto höher der Punktwert, der gefordert wird. Maximal 800 Punkte sind möglich, in Deutschland erreichen die Teilnehmer im Schnitt 570. Der GMAT-Wert ist aber nicht das einzige Auswahlkriterium: Die meisten Business Schools erwarten auch Berufspraxis, Auslandserfahrung und Empfehlungsschreiben. Ohne den Test hat die Bewerbung aber keine Chance – Ausnahmen gibt es nur für MBA-Anwärter, die eine Promotion oder mindestens fünf Jahre Berufserfahrung mitbringen.

Wie läuft der Test ab?

Die Prüfung findet weltweit in zertifizierten Testzentren statt, in Deutschland unter anderem in Hamburg, Berlin und München. Am Computer müssen die Teilnehmer dreieinhalb Stunden lang unter Zeitdruck Aufgaben lösen. Der Schwierigkeitsgrad richtet sich nach dem Bewerber: Wer eine richtige Antwort gibt, bekommt danach eine schwerere Frage. Liegt man falsch, wird die nächste Frage etwas einfacher, dafür bekommt man jedoch weniger Punkte. Das Ergebnis kann sich jeder Teilnehmer direkt nach dem Test anzeigen und an die Hochschulen schicken lassen, bei denen er sich bewerben will. Bewerber können den Test nach jeweils einem Monat Pause beliebig oft wiederholen, bis sie den erhofften Wert erreichen. Die Ergebnisse früherer Tests werden aber gespeichert – so können die Hochschulen sehen, wer die Hürde erst beim fünften Anlauf geschafft hat.

Welche Kenntnisse sind gefragt?

"Die Anforderungen an mathematische und sprachliche Kenntnisse übersteigen selten das Niveau der Mittel- und Oberstufe im Gymnasium", sagt Patrick Planing, der im GMAT-Training Center Stuttgart Vorbereitungskurse anbietet. Trotzdem ist der Test für Deutsche ungewohnt, weil sie die Art von Multiple-Choice-Fragen nicht aus der Schule kennen. Außerdem findet der Test auf Englisch statt. Die Teilnehmer müssen zudem in einem Essay ihre analytische Denkfähigkeit unter Beweis stellen. Im mathematischen Teil geht es um Algebra, Geometrie, Statistik und Prozentrechnung. Im sprachlichen Teil müssen die Bewerber Argumentationsketten überprüfen und fehlerhafte Sätze korrigieren. Die Statistik zeigt, dass englische Muttersprachler hier schlechter abschneiden als der Durchschnitt, denn beim GMAT kommt es vor allem darauf an, die Struktur der Fragen zu durchschauen und sich nicht nur auf sein Sprachgefühl zu verlassen.

Wie kann man sich vorbereiten?

Rund 100 Stunden Vorbereitungszeit empfiehlt Patrick Planing. Den 840 Seiten starken Official Guide for GMAT Reviewsollte jeder Testanwärter durcharbeiten, um sich an die Struktur der Fragen zu gewöhnen. Mithilfe von Software wie GMATPrep können Kandidaten zudem die Testsituation unter Zeitdruck simulieren. Selbst der Essay hat laut Planing wenig mit Kreativität zu tun, sondern basiert auf einem Baukastenprinzip, das sich lernen lässt. Der Essay wird auch nicht von Hand korrigiert und bewertet, sondern von einer dafür programmierten Software.

Kann man tricksen?

Einen schlauen Freund unter dem eigenen Namen in die Prüfung schleusen? Das funktioniert beim GMAT nicht. Im Testcenter muss jeder Teilnehmer seine Hand auf einen Venenscanner legen und seinen Ausweis vorlegen. Per Datenbank wird ermittelt, ob derjenige schon früher am GMAT teilgenommen hat. In der Prüfung ist Schummeln schwer, Taschenrechner und Handy sind verboten. Man darf auch nicht nach dem Test Fragen ins Internet stellen. Wer dabei erwischt wird, muss mit einer Klage der Test-Organisation rechnen.

Wer ist die Organisation hinter dem GMAT?

Der Graduate Management Admission Council (GMAC) ist eine internationale Nonprofit-Organisation, in der sich über 200 Business Schools zusammengeschlossen haben. Rund 5.000 Hochschulen weltweit nutzen den GMAT zur Auswahl ihrer Studenten.

Was kostet der Test?

Für jeden Versuch müssen 250 US-Dollar (knapp 190 Euro) gezahlt werden. Dazu kommt das Geld für die Vorbereitung. Mittlerweile hat sich auch in Deutschland eine regelrechte Industrie um den GMAT entwickelt. Eintägige Crashkurse von kommerziellen Trainern liegen bei 150 bis 200 Euro. Vorbereitungskurse kosten rund 1.200 Euro pro Woche.Für Privatunterricht zahlt man etwa 110 Euro pro Stunde. Aber es geht auch billiger: Einige Unis bieten Vorbereitungskurse an. Und in kostenlosen Online-Netzwerken wie dem GMAT-Club und Beat the GMAT diskutieren Nutzer über Aufgaben sowie Lösungswege und tauschen Lerntipps aus.

Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?

Der GMAC wirbt auf seiner Website: "Der Test bietet die zuverlässigste Voraussage des akademischen Erfolges in der Wirtschafts- und Management-Weiterbildung." Das sieht Patrick Planing anders: Der GMAT sage nichts über den späteren Erfolg eines MBA-Studenten aus, "sondern er zeigt, wie intensiv sich der Bewerber auf den Test vorbereitet hat".