Manche Gründergeschichten klingen einfach zu schön, um wahr zu sein. Eine davon geht so: Mithilfe von kleinen Krediten gelingt armen oder arbeitslosen Menschen der Sprung in die Selbstständigkeit und damit in eine bessere Zukunft. Als Unternehmer könnten sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten, die Banken würden von der Vergabe der Gründerkredite profitieren, und der Staat würde bei Arbeitslosenunterstützung sparen.

Das Bundesarbeitsministerium war von der Idee so begeistert, dass vor mehr als drei Jahren ein staatlicher Fonds mit 100 Millionen Euro ausgestattet wurde. Mit dem Geld wollte die Politik die Vergabe solcher Kleinkredite für Unternehmensgründer subventionieren und Banken einen Teil des Risikos abnehmen, sollte manch ein Jungunternehmer seine Raten doch nicht zurückzahlen können. Doch was als arbeitsmarktpolitische Hoffnung begann, erweist sich mittlerweile als problematisch. Ursprünglich sollte ein umfangreiches Pilotprojekt bis 2015 laufen – doch das Ministerium beendet es nun schon zum Ende dieses Jahres.

Dabei ist die Theorie dahinter bestechend und sogar schon im Ausland erprobt worden: Sie geht zurück auf Muhammad Yunus, der mit der Grameen Bank in Bangladesch in den achtziger Jahren erstmals Mikrokredite an die Ärmsten vergab, damit sie kleine Unternehmen gründen konnten. Später erhielt Yunus für seine Idee den Friedensnobelpreis. Dass auch Industrienationen von Entwicklungsländern lernen können, hat die Bundesregierung schnell begriffen. Denn hinsichtlich der Zahl der Unternehmensgründungen ist Deutschland gegenüber seinen Nachbarn noch entwicklungsfähig. Nur fünf Prozent der Arbeitslosen und Angestellten hierzulande planen, ein Unternehmen aufzubauen. So steht es im Global Entrepreneurship Monitor 2011, den mehrere Universitäten erstellen. In Großbritannien sind es fast doppelt so viele. Die Mikrokredite sollten gegen die "Kreditklemme von kleinen, ganz jungen Unternehmen" eingesetzt werden, wie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zum Start des Programms betonte. Klassische Banken verwehrten nämlich häufig Geld, weil die Unternehmer in spe ihnen keine Sicherheiten bieten konnten. Unbürokratisch sollten Kredite innerhalb einer Woche beim Gründer ankommen, sagte die Ministerin.

Im Detail hakte es aber ziemlich. Das hat auch die GLS Bank festgestellt, die im Rahmen des Pilotprojekts mit dem Arbeitsministerium über sogenannte Mikrofinanzinstitute 15.000 Kredite an Kleinunternehmer ausgereicht hat. Die Mikrofinanzinstitute agieren dabei wie Makler und vermitteln das Geld der GLS an die Gründer. Immerhin 88 Millionen Euro wurden auf diese Weise ausgezahlt. Bloß: Kostendeckend war das Geschäft mit den Mikrokrediten nie. Das muss es aber sein, wenn es irgendwann ohne Subventionen funktionieren soll. Ganz vereinfacht gesagt: Gibt der Staat an Kreditförderung wieder aus, was er zuvor an Arbeitslosenhilfe eingespart hat, ist es für ihn ein Nullsummenspiel.

So tauchten Probleme auf, weil einige Mikrofinanzinstitute vor allem an Provisionen interessiert waren. Das System war für Missbrauch anfällig: Pro Kredit erhielten die Institute beim Abschluss anfangs 800 Euro. Das ist viel Geld angesichts einer Kreditsumme, die oft nur wenige Tausend Euro betrug. Es verleitete "einige Mikrofinanzinstitute dazu, zu viele Kredite zu vergeben", sagt GLS-Vorstand Andreas Neukirch. Weil jeder neue Kredit neue Provisionen versprach, wurde das Geschäftsmodell der Junggründer oft zu wenig geprüft. So scheiterten mehr von ihnen als erwartet. Die Verluste aus nicht zurückgezahlten Krediten blieben bei den Instituten selbst und dem Staat hängen.

Die Bundesregierung versuchte im vergangenen Jahr mit einer Halbierung der ursprünglichen Provisionen den Missbrauch zu stoppen. GLS-Banker Neukirch hält das für einen "Schritt in die richtige Richtung", wenngleich er einsehe, dass der Schnitt zu schnell gekommen sei. Das Nachsehen hatten nämlich ausgerechnet jene seriösen Mikrofinanzinstitute, die sich viel Zeit für die Gründer genommen und deren Geschäftsmodelle genau geprüft haben – und die folglich die meisten Erfolgsfälle melden konnten. "Wir prüfen, ob eine Idee gut ist, auch wenn etwa die Schufa hundsmiserabel ist", sagt der Geschäftsführer eines Mikrofinanzinstituts, der seinen Namen nicht öffentlich preisgeben möchte. Sobald der Kredit an die Gründer fließe, übernehme sein Institut die Rolle des Beraters. Der zeitliche Aufwand sei hoch, aber seit sich die Höhe der Provisionen halbiert habe, lohne sich der Aufwand kaum noch.