Drei Tage vor der Wahl war ich in Dessau. Die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt lud zum Thema "Rüstungsexporte – Sprengstoff für Politik und Ethik". Auf dem Weg zum Gemeindezentrum St. Georg begegnete mir Rainer Brüderle. Er strahlte jugendcrisp von einem gigantischen Plakat und verkündete: SOLI ABSCHAFFEN! Gegenüber am Theater flehte ein anderes Großposter: ANHALTINISCHES THEATER BLEIBT! Angeblich errang die FDP am Wahlsonntag mehrere Dessauer Stimmen, dennoch kam es zur Abschaffung Rainer Brüderles. Den Jubel darüber erlebte ich bei der Berliner Wahlsause der Linkspartei, die selber leckgeschlagen, aber immerhin nicht abgesoffen war. Ozean, schäume! Zittere, Merkel! Die Linke ist künftig sogar das Flaggschiffchen der Opposition – dank Käpt’n Gysi. Leider auch dank Syrien.

Warum attackierte sonst niemand die Militarisierung der deutschen Außenpolitik? Ein Buch sei empfohlen. Es heißt Du sollst nicht töten . Geschrieben hat es ein Christdemokrat. Jürgen Todenhöfer saß 18 Jahre für die CDU im Bundestag. Seit Jahrzehnten reist er durch die arabische Welt, als Aufklärer, Hilfsprojektler und politischer Vermittler. Sein erregender Report führt durch die Kriegshöllen von Libyen bis Afghanistan. Er sprach mit allen Seiten, mehrmals auch mit Syriens Diktator Assad, ohne den Frieden unmöglich sei.

Todenhöfer ist kein literarischer Ästhet, ihm unterläuft manches Klischee. Doch dieser unzeitgeistige Jünger Gandhis predigt mit Klarsicht und Menschenliebe wider die westlich-demokratische Revolutionsromantik und die Mär von "humaner Intervention", gefordert fern vom Schuss. Krieg, auch der "des Westens", bedeutet Terrorismus, Mord, Zerstörung, Vergewaltigung und den Kreislauf der Rache. Gewalt macht geil, auch das wird nicht verschwiegen. Dieser Autor ist ein Sisyphos des Friedens.