Als junge Frau fühlte sie sich eine Zeit lang sehr bedroht. Fast zwanzig Jahre später beschrieb sie in ihrer Autobiografie, sie habe Angst gehabt "vor Irren im Kleiderschrank…vor säuerlichen Ehefrauen…vor zwinkernden Knaben im Stimmbruch…vor zweideutigen Anspielungen rundlicher Herren mit Luftschutzwart- Gesichtern". Und die Angst war ja auch berechtigt. Gab es doch viele Leute, die sie mit jener Filmfigur gleichsetzten, die damals Kirche und Kleinbürger provozierte. Und doch entpuppte sich die umstrittene Rolle auch als Glück: Sie machte die junge Künstlerin endgültig berühmt.

Wie enorm vielfältig sie begabt war, sollte sich freilich erst im Laufe der Jahre zeigen. Mit Zeichnen hatte sie begonnen, eroberte dann Leinwand und Theater. Begann zu singen, Jazz, Musicals, Chansons. Dann entdeckte sie das Schreiben, wortgewandt, klug. Sie war ein Multitalent, schön und begehrenswert dazu. Doch naturgemäß ruft so jemand nicht nur Fans, sondern auch Neider und Kritiker herbei. Manchmal schien es so, als hätte alle Welt das Recht, ihr Leben zu kommentieren, das berufliche und das private. Aber sie selbst lieferte ja auch die tollsten Geschichten. Spielte die Diva, stand zu Affären und Abstürzen. Heiratete einen jungen Mann, wurde Mutter, als Gleichaltrige schon Enkel hüteten – und gab freimütig die Visite beim Schönheits-Doc zu.

Von heute aus gesehen, war sie wohl vor allem eine von Natur aus emanzipierte Frau, lange bevor der Begriff aufkam. Eine Kämpferin in eigener Sache, ohne die Wahl gehabt zu haben. Der Vater, ein Prokurist, war kurz nach ihrer Geburt gestorben, die Mutter brachte sich und das Kind mühsam durch. Auch mithilfe des Großvaters, der sich später das Leben nahm, vermutlich tat das auch ihr Halbbruder. Sie aber trotzte tapfer allen Widrigkeiten, rang um jede Stunde längeren Atmens, bedroht von Krankheit, Tod – und Altersarmut. Die Millionen, die sie verdient hatte, waren auf nicht mehr zu klärende Art restlos verpufft. Was sie in der ihr eigenen Art selbstironisch kommentierte: "Nicht wer wenig besitzt, ist arm, sondern wer sich viel wünscht." Wer war’s?

Lösung aus Nr. 39:

Maximilien Robespierre (1758 bis 1794), Abgeordneter der Generalstände für Arras, setzte die Hinrichtung Ludwigs XVI. durch und legitimierte die "Terreur" als Emanation der Tugend. Seiner "Tugendmaschine", der Guillotine, fiel er selbst zum Opfer