Aus diesen Sohlen dampft es sanft: Geox Xense Sneaker, 120 Euro © Peter Langer

Manchmal hat man die besten Einfälle durch die Jesus-Methode – eine Eingebung in der Wüste. So jedenfalls muss man sich die Erfindung der atmungsaktiven Schuhsohle vorstellen: Der Winzer Mario Moretti Polegato wanderte nach einem Weinbaukongress durch die Wüste Nevadas. Die erschien ihm sehr trocken – ganz in Gegensatz zu seinen Füßen. Jene schwitzten in seinen Sportschuhen so sehr, dass er das Gefühl hatte, auf Wasser zu laufen. Der Winzer wusste sich zu helfen. Mit seinem Taschenmesser bohrte er kleine Löcher in die Sohle – und schon wurde es luftiger. Polegato gründete 1992 das Unternehmen Geox, dessen Erfolg auf atmungsaktiven Schuhen gründet.

Sogar an den Vatikan wurde angeblich schon ein Paar geliefert. Wobei man genau genommen nicht von einer atmungsaktiven Sohle sprechen kann – denn weder atmen Füße, noch lässt sich durch eine Schuhsohle so ohne Weiteres hindurchatmen. Sie ist vielmehr wasserdampfdurchlässig. Schließlich sondert der Körper bis zu zwei Liter Schweiß pro Stunde ab – und es ist gut, wenn diese auf kurzem Wege verdampfen können.

Mittlerweile arbeitet man immer weiter an wasserdampfdurchlässigen Materialien – es ist eine eigene Wissenschaft geworden. Man experimentiert mit Membranen aus Merinowolle und Seide. Oder mit Funktionstextilien, die mit Kork versetzt werden. Bei Geox setzt man auf Hightech. Zuletzt wurde ein Schuh entwickelt, der fünfmal atmungsaktiver als ein normaler Schuh sein soll – nach außen aber wasserabweisend.

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Geox ist übrigens offizieller Ausrüster des Red Bull Racing Teams – kein Wunder, dass Sebastian Vettel noch nie über nasse Socken im Formel-1-Cockpit geklagt hat. Ohnehin tut ein Gentleman gut daran, von der Art und Weise, in der Dampf aus seinen Sohlen entweicht, kein Aufhebens zu machen. Das unterscheidet den Weltmeister von jenen seiner Landsleute, die mitunter berührend offen darüber reden, wie ihnen gerade die Sohlen qualmen. So offen zuweilen, dass man sich wundert, warum ausgerechnet ein Italiener die Welt vom Fußschweiß befreit hat. Dass diese Ehre keinem Bundesbürger zuteil wurde, kann man sich nur so erklären: Nie wäre ein deutscher Winzer mit Sportschuhen durch die Wüste Nevadas gewandert. Er hätte selbstverständlich Trekkingsandalen getragen.