Ich träume oft in Galerien und Museen. Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit dem Betrachten von Gemälden. Selbst wenn ich mit Metallica auf Tour bin, nutze ich jeden freien Nachmittag, um mir Bilder anzuschauen, das ist meine ganz große Leidenschaft. Für jede größere Stadt Europas kann ich die interessanten Orte für Kunst runterbeten. Die besuche ich immer alleine. In Galerien komme ich zur Ruhe. Diese komischen Kopfhörer für Führungen benutze ich nie, sondern sitze manchmal stundenlang vor einem Gemälde und schalte dabei innerlich total ab.

Es kommt vor, dass ich ein Gemälde im MoMA in New York schon zwanzig Mal betrachtet habe, und beim einundzwanzigsten Mal fällt mir trotzdem noch ein ganz neues Detail auf. Das ist jedes Mal magisch. Ganz besonders liebe ich direkte, abstrakte Kunst und impulsive Bilder, so wie die von Jackson Pollock – weil ich eben selbst ein impulsiver Mensch bin. So spiele ich auch Schlagzeug. Was die Entstehungsprozesse angeht, sehe ich überhaupt viele Parallelen zwischen Kunst und Musik. Es gibt in beiden Bereichen Werke, die endlos durchdacht und geplant sind und mit denen ich wenig anfangen kann. Metallica steht für das Gegenteil: Wir sind aus dem Moment heraus kreativ – so, wie Jackson Pollock gemalt hat. Deshalb kann ich zum Beispiel mit Bildhauerei wenig anfangen. Dieses ganze Nachbearbeiten widerspricht meiner Vorstellung von Kreativität.

Die Liebe zur Malerei habe ich meinen Eltern zu verdanken. Als ich ein Kind war, hing in unserem Esszimmer ein Gemälde von Andy Warhol, auf dem drei Äpfel zu sehen sind. Meine Mutter sagte immer, die drei Äpfel symbolisierten sie selbst, meinen Vater und mich. Als meine Eltern sich scheiden ließen, verkauften sie das Bild. Als ich Ende der achtziger Jahre anfing, viel Geld zu verdienen, machte ich mich auf die Suche nach diesem Warhol-Bild, spürte es schließlich auf und kaufte es zurück. Ich wollte das Bild zurück, also setzte ich alle Hebel in Bewegung. So bin ich nun mal.

Die Gemälde, die mich interessieren, verfolgen mich in den Tagen vor einer großen Kunstauktion manchmal bis in meine Träume. Nachts ersteigere ich dann meine Lieblingsbilder, hänge sie stolz in meinem Haus auf und muss am nächsten Morgen leider feststellen, dass das nur ein Traum war. Im Schlaf habe ich schon mal einen Jackson Pollock aus dem Jahr 1948 ersteigert und Werke von Brice Marden, Willem De Kooning, Cy Twombly. Inzwischen könnte ich mir viele davon tatsächlich leisten. Aber vor einiger Zeit habe ich einen Großteil meiner Sammlung verkauft, weil ich finde, dass Kunst allen gehört und nicht in Wohnzimmern, sondern in Museen hängen sollte. Nur Narzissten horten tolle Bilder für sich allein.

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Ich spreche sonst eigentlich nicht darüber, aber ich male seit Jahren selber gerne Bilder. Die werden aber niemals irgendwo zu sehen sein. Selber zu malen ist eben auch ein Traum. Was dabei herauskommt, bleibt mein Geheimnis.

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