Der historische Handschlag zwischen dem amerikanischen und dem iranischen Präsidenten blieb aus. Gleichwohl wurde auf der Jahrestagung der Vereinten Nationen Geschichte geschrieben. Auf Geheiß Barack Obamas soll sein Außenminister John Kerry unverzüglich direkte Gespräche mit der iranischen Regierung aufnehmen.

Welch ein rasanter Wandel: Vor wenigen Wochen noch dachte man, ein Militärschlag sei unausweichlich. Auf einmal signalisiert der neue moderate iranische Präsident Hassan Ruhani eine mögliche Abkehr von der bisherigen Atompolitik. Doch noch ist es zu früh, von einem Durchbruch zu sprechen. Zu oft hat der Iran Hoffnungen enttäuscht. Deshalb hat Obama vor den UN noch einmal bekräftigt, dass er eine iranische Atombombe notfalls mit Waffengewalt verhindern werde.

Vorsicht ist aus einem weiteren Grund angebracht. Das letzte Wort über die Bombe und über bessere Beziehungen zu Amerika hat nicht Ruhani, sondern der Oberste Religionsführer Ajatollah Chamenei. Einstweilen scheint er die Charmeoffensive seines Präsidenten zu stützen, aber wie weit reicht dessen Mandat? Ist Chamenei tatsächlich bereit, auf waffenfähiges Nuklearmaterial zu verzichten, oder probiert er nur eine neue Verzögerungstaktik aus, um knebelnde Sanktionen abzuschütteln? Israel, Saudi-Arabien und einige Golfstaaten warnen Amerika vor einer taktischen Falle.

Gleichwohl lassen die Freundlichkeitsgesten hoffen. Aufmerksam hörten Iraner und Amerikaner bei der UN-Generalversammlung einander zu, keiner von beiden verließ wie sonst aus Protest die Sitzung. In seiner Rede sprach Obama sogar von "gegenseitigem Respekt". Auf diese Schlüsselworte hatte der Iran seit Langem gewartet, denn allzu oft mischte sich Amerika in die inneren Verhältnisse ein. 1953 wurde mithilfe der CIA ein demokratisch gewählter iranischer Präsident gestürzt.

Zudem: Von Damaskus bis Jerusalem – viele Konflikte im Mittleren Osten lassen sich ohne Teheran kaum noch beilegen. Der Iran ist eine Regionalmacht und will als eine solche anerkannt werden. Am Rande der UN-Versammlung signalisierten die Franzosen mit amerikanischer Rückendeckung die mögliche Beteiligung Teherans an den syrischen Friedensverhandlungen. Natürlich nur als Belohnung für ein Einlenken in der Atomfrage. Drei Jahre ist Obama noch im Amt, viel Zeit bleibt ihm nicht. Doch bereits ein kleiner Erfolg könnte seinen Friedensnobelpreis nachträglich rechtfertigen.