Über Jahrhunderte hinweg packten Juden, wenn sie auf die Flucht gingen, zweierlei ein. Sie nahmen Kind und Bücher mit. Das erwies sich als eine doppelte Überlebensstrategie. Neben dem Nachwuchs bleibt zugleich auch ein uraltes Erbe bewahrt. Es bestand und besteht aus geschriebenen Worten, die seit Jahrtausenden von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Ein berühmter Vater und seine Tochter haben über dieses Erbe, das auch das ihre ist, ein wichtiges Buch verfasst. Genauer handelt es sich um einen Essay, im Plauderton gehalten, der zeigen will, dass das (oder ihr) Judentum weniger von Erinnerungsstätten oder Ritualen abhängt als von Texten, von deren Auslegung und von kontroversen Debatten. Man soll sich allerdings nicht täuschen lassen von dem Duktus des Buchs. Dass die Autoren scheinbar leichtfüßig jede Menge amüsanter Anekdoten aneinanderreihen, etwa über den wortreichen jüdischen Humor (mehr Groucho als Harpo Marx) und die lebhafte jüdische Streitkultur, mindert den Anspruch ihrer Botschaft nicht. Er geht tiefer.