DIE ZEIT: Herr Ministerpräsident, zählen Sie schon die Tage?

Valdis Dombrovskis: Warum sollte ich?

ZEIT: Weil in drei Monaten Ihr Land den Euro einführt.

Dombrovskis: Wir zählen nicht, aber wir freuen uns. Bis dahin haben wir noch eine Menge vorzubereiten: Gesetze und IT-Systeme ändern, Münzen prägen, das Geld in Umlauf bringen.

ZEIT: Sie haben Lettland durch eine Schocktherapie aus der Krise geholt – und dabei selbst Ihr Gehalt massiv gekürzt. Werden Sie es jetzt wieder erhöhen?

Dombrovskis: Mit unseren eigenen Gehältern sind wir nicht in Eile. Aber es stimmt, dass wir während der Krise eine Menge Einschnitte vornehmen mussten. Im öffentlichen Sektor wurden die Gehälter um durchschnittlich 25 Prozent gekürzt. Die wollen wir nun wieder Schritt für Schritt anheben.

ZEIT: Haben Sie Verständnis dafür, dass Ihr polnischer Kollege Donald Tusk keine Eile mit der Euro-Einführung hat?

Dombrovskis: Die Situationen sind unterschiedlich. Es ist kein Zufall, dass die Länder mit festen, an den Euro gekoppelten Wechselkursen schneller den Euro haben wollen als jene Länder, die das nicht haben ...

ZEIT: ... weil sie mitentscheiden können und Ihr Land Transaktionskosten spart.

Dombrovskis: Estland, Lettland und Litauen haben ihre Währungen an den Euro gekoppelt, und siehe da: Estland hat den Euro bereits, wir werden in ein paar Monaten beitreten, Litauen peilt das für 2015 an. Bei diesen Ländern spricht kaum etwas gegen einen Beitritt.

ZEIT: Für Polen schon?

Dombrovskis: Länder mit flexiblen Wechselkursen wie Polen, Ungarn und Tschechien haben in der Krise ihre Währung massiv abgewertet, um ihre Exporte anzukurbeln. In Polen gibt es zudem noch ein besonderes Problem: Die Währung Złoty ist in der Verfassung festgeschrieben. Es braucht eine Zweidrittelmehrheit im Parlament, um das zu ändern ...

ZEIT: ... ein Volksentscheid wäre auch möglich ...

Dombrovskis: ... und es könnte schwer sein, eine Zweidrittelmehrheit zu bekommen.

ZEIT: Lettland tritt der Euro-Zone jetzt mitten in der Krise bei.

Dombrovskis: Natürlich hat es uns wegen der Krise noch mehr Anstrengung gekostet, die Bürger davon zu überzeugen, dass der Euro gut für uns ist. Einer der Gründe liegt im festen Wechselkurs: Was auch immer mit dem Euro geschehen wird, würde uns ohnehin treffen. Zudem haben wir eine Menge Spekulationen gegen unsere Währung erlebt. Neben den Kämpfen gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise mussten wir also auch noch den Lats verteidigen. Wir hätten dem Euro schon 2008 wie geplant beitreten sollen.

ZEIT: Jetzt wird auch Ihr Land für Griechenland zahlen müssen. Wie kommt’s, dass zwei kleine Länder die Krise so unterschiedlich bewältigen?

Dombrovskis: Schwer zu sagen. Aber eines ist interessant: Wir haben zwar eine Menge getan, doch Griechenland wird uns in diesem Jahr überholen. Sie stecken in einer tieferen Rezession als wir damals, und gleichzeitig tun sie mehr für die Konsolidierung ihrer Finanzen.