Wer sich für Amerikas kulturelle Exportgüter interessiert, kommt in diesem Jahr nicht am Film Sharknado vorbei. Der Titel ist haarsträubend: "Sharknado" steht für einen Haifisch-Wirbelsturm (shark + tornado). Noch lächerlicher ist die Handlung: Ein Tornado peitscht Tausende von Haien aus dem Meer und lässt sie auf Los Angeles regnen. Das Ganze ist niveaulose Unterhaltung, taugt aber für Gedankenspiele. Man stelle sich vor, man wacht in L.A. auf und schaltet den Fernseher an: In den Nachrichten wird vor einem herannahenden Sharknado gewarnt. Zwei Experten diskutieren, ob Sharknados gut oder schlecht für die Menschheit, die Wirtschaft und unsere Gehirne sind. Einer fürchtet um unsere Kultur, der andere erwidert, dass Sharknados die ohnehin sterbenden Industrien hinwegfegen und Raum für neue Ideen schaffen könnten. Dann klopft es an der Tür. Ein gut gekleideter Mann steht draußen und behauptet, er arbeite für die "Sharknado Evakuierungs-GmbH", ein Start up-Unternehmen, das einen für wenig Geld in Sicherheit bringt. Entscheiden müsse man sich allerdings sofort. Verwirrt bezahlt man ihn.
Evgeny Morozov: Wahrheit und Beratung
Warum der Ruf der Internet-Intellektuellen zu Recht schlecht ist – und welche Kritik wir wirklich von ihnen brauchen.