Es ist ein guter Tag, um Frank Asbeck zu treffen; die Sonne ergießt sich in ein riesiges, rundum verglastes Rondell, von dem aus er seine Solarworld regiert. Frank Asbeck ist eine mächtige Erscheinung, aber es ist eine gesunde Dicke, den Körper trägt Asbeck aufrecht, er drängt nach vorn. Asbeck läuft auf und ab, das Handy am Ohr, ein Arm rudert durch die Luft. Er demonstriert Machertum, das in Mackertum umschlägt, sobald er zur Begrüßung den Mund aufmacht: "Wichtige Männer telefonieren halt gern."

Sein Unternehmen ist deutscher Marktführer einer Industrie, die zu ihren besten Zeiten die Energiewende vorantreiben sollte und Deutschland gleich dazu. Die Kanzlerin versprach sich "Chancen für Exporte, Entwicklungen, Technologien und Arbeitsplätze", vor allem im Osten. Es gab eine Zeit, da war Asbecks Solarworld – sie produziert Zellen und Systeme, mit denen Hausbesitzer Energie aus der Sonne gewinnen und speichern können – mehr als fünf Milliarden Euro wert, in den Zeitungen schrieben sie vom "Solarworld-Wunder". Doch dann kam die billige Konkurrenz aus Asien. Chinesische Unternehmen machen nun das Geschäft mit der Sonne. Als Einziger auf dem deutschen Markt ist Asbeck übrig geblieben. Er will sich nicht geschlagen geben, auch wenn sein Unternehmen nur noch einen Bruchteil wert ist und in den Zeitungen nun von einem "Desaster" die Rede ist. Es ist nur nicht immer ganz klar, wofür Asbeck nun kämpft – die Energiewende, die Branche, sein Unternehmen oder sich selbst. Doch so ist es eigentlich immer schon gewesen.

Seine Kritiker treibt Asbeck zur Weißglut. Er sei "einer, der immer im Sonnenlicht stehen muss"; und auch – das ist im Ökomilieu mindestens genauso schlimm – "kein Klimaschützer", einer, der für die Umwelt nichts übrig habe. Offen mag ihn keiner kritisieren, aber wer sich umtut bei denen, die im Solargeschäft tätig sind und Asbeck kennen, hört viele Klagen. Das ist kein Wunder. Sie haben sich als Vorturner einen von ihnen gewünscht, einen Umweltschützer, der bescheidener auftritt, vielleicht zumindest in einem Ökoprojekt wohnt, der das Wollsockige wenigstens ein bisschen verströmt.

Stattdessen haben sie Frank Asbeck bekommen, den Rabauken. Den Jäger in Lodenjacke. Den Maserati-Fahrer. Schlossbesitzer. Der großkotzig anbot, Opel zu retten, 2008 war das, als es Opel dreckig, der Solarworld hingegen noch fantastisch ging. Eine Milliarde Euro wollte Asbeck bereitstellen, nachdem er dem Papst schon eine Solaranlage für das Dach der päpstlichen Audienzhalle geschenkt hatte.

Die einzige unverglaste Fläche in Asbecks Büro ist die Wand hinter seinem Schreibtisch, an der 99 tote Füchse hängen, einige hat er selbst geschossen, "und die kann ich auch anmachen", ruft Asbeck, und schon leuchtet es aus den Fuchshöhlenaugen rot und grün. "Da hab ich sogar ’ne TÜV-Prüfung für", sagt er, "das ist ein kompliziertes elektrotechnisches System." Asbeck bewegt sich in einem umweltbewussten, auf Korrektheit bedachten Milieu und gibt sich nicht die geringste Mühe, sich umweltbewusst oder korrekt zu verhalten. "Der schönste Moment bei der Jagd ist, wenn nichts passiert. Ich kann nie so gut nachdenken wie auf dem Hochsitz", sagt er. "Es ist der originäre Trieb des Menschen, Beute zu machen. Das finde ich sehr archaisch. Da komme ich dem ursprünglichen Homo erectus mal ein bisschen nahe." Dabei soll Asbeck doch Homo faber sein, Werkzeugmensch, der daran tüftelt, die Welt zu verbessern.

Nach der Frage, ob es ihm darum gehe, Deutschland insgesamt grüner zu machen, spricht er lange darüber, welches Geschenk es sei, ein Unternehmen zu führen. Dann fragt er, was noch mal die Frage war. Dass er einst die Grünen – also die Partei – mitgegründet hat in Nordrhein-Westfalen, scheint für ihn so weit weg, dass er sich auch sprachlich distanziert: "Man hat prinzipiell grünes Gedankengut." Nun habe er sich entfernt von diesen "romantisierenden Vorstellungen", das passiere, wenn man mit Betriebsräten über Gehälter diskutieren müsse. "Ich bin angekommen in der Realität eines Produktionsbetriebes."

Als Junge ließ Asbeck Schreibarbeiten von Mitschülerinnen erledigen

Asbeck hat früh gelernt, unliebsame Aufgaben an andere zu delegieren. Er ist Legastheniker, "bekennender", ruft er, "bekennender Legastheniker!". Es gebe ja so viele, die die Entwicklungsstörung verbergen wollten. "Ich hatte immer eine Mitschülerin neben mir sitzen, die den Schreibkram für mich erledigt hat", sagt er. Er habe ihr dafür die Aufsätze diktiert. "Neulich habe ich beim Klassentreffen erfahren, dass meine Lieblingsassistentin jetzt Vorstandsassistentin bei einem Dax-Konzern geworden ist. Die hat ihre Position im Prinzip nach wie vor beibehalten. Sie hat sie nur verfeinert."

Auf dem Dachboden der Mutter hat Asbeck neulich ein Organigramm gefunden, das er mit neun Jahren entworfen hat. Es war die Struktur seiner Jugendbande. 32 Mitglieder hatte die Clique, "Frank" steht an der Spitze. Die Bereichsleiter müssen von zu Hause etwas zu essen mitbringen, die Gruppe nach außen verteidigen oder Baumhäuser bauen. Auffällig ist, dass leitende Positionen doppelt besetzt sind.