Am 7. Februar 1969 veröffentlichte die ZEIT einen denkwürdigen Beitrag des bekannten Psychologen Helmut Kentler, in dem er für eine Liberalisierung der Sexualerziehung eintrat. Auf den ersten Blick folgt seine Argumentation einem sehr vertrauten Muster. Erstens: Die Nationalsozialisten hätten die Triebe und die Sexualität des Menschen unterdrückt. ("Es sollte uns zu denken geben, daß Adolf Eichmann – nach allem, was wir über ihn wissen – in seiner Jugend ganz den Anforderungen entsprach, die unsere Sittengesetze und unser Jugendschutz an die Leistungsfähigkeit junger Menschen zur Askese stellen. Er war ein in sexueller Hinsicht ›sauberer deutscher Junge‹.") Zweitens: Die Nachkriegszeit habe die repressive Sexualmoral der Nazis fortgeführt. Drittens: Erst wenn die Sexualität befreit werde, emanzipiere man sich auch von ihrer "Verapparatung".
Achtundsechziger: Pädophiler Antifaschismus
Wer den verharmlosenden Umgang der bundesdeutschen Linken mit Kindsmissbrauch verstehen will, muss die Faschismustheorie der Zeit studieren: Sexuelle Befreiung galt als Vergangenheitsbewältigung, und Pädophilie wurde als Emanzipation aufgefasst