4. Das Recycling. Alles ist besser als Wegwerfen, besonders für die Wiederverwertung des elektronischen Innenlebens mangelt es noch an den nötigen Kreisläufen. Laut dem Verband der chemischen Industrie (VCI) wird von den 80.000 Tonnen Althandys, die weltweit jedes Jahr anfallen, nur ein Bruchteil wiederverwertet, selbst in Deutschland seien es nur fünf Prozent. Der Informationstechnik-Branchenverband Bitkom schätzt indessen, dass hierzulande 86 Millionen alte Telefone ungenutzt in den Schubladen herumliegen.

Weil mit jedem Neugerät auch viel Zubehör überflüssig wird, verfügt das Fairphone über Standardanschlüsse. Es wird ohne Ladegerät, Kabel und Kopfhörer geliefert, damit die Käufer vorhandenes Zubehör nutzen. Für die Ökobilanz wird auch ein zweiter SIM-Karten-Steckplatz eingebaut. Der spielt in Europa zwar praktisch keine Rolle, ist in Asien und Afrika aber sehr begehrt. Dort soll die Funktion einmal den Secondhand-Wert des Geräts steigern. Außerdem hilft das Gehäuse, Müll zu vermeiden, denn es besteht aus dem gebrauchtem Kunststoff Polycarbonat.

An der Einsicht, dass die globalen Herstellungsprozesse heute kaum eine Wiederverwendung elektronischer Bauteile erlauben, können auch die Fairphone-Macher nichts ändern. Nur so viel: Drei Euro pro Gerät gehen ins Recycling von Elektroschrott, zwei Euro sind für die spätere Verwertung des eigenen Geräts eingeplant.

Man könnte nun kritisieren, das Fairphone trage den falschen Namen, weil es nicht völlig fair sei, nicht sein könne. Oder man könnte fordern, es solle treffender Fairerphone heißen, weil es allemal besser sei als die Konkurrenzmodelle der großen Marken. Oder man kann sich grundsätzlich fragen, was dieses Experiment überhaupt bewirken kann.

"Dieses Jahr werden über eine Milliarde Geräte produziert", sagt Daniel Gleeson. "25.000 Exemplare werden keine Kerbe im Markt hinterlassen." Mit dieser Stückzahl arbeiten die Niederländer an der absoluten Untergrenze des Machbaren. Potenzial sieht der Analyst woanders: "Dieses Telefon wirft wichtige Fragen auf", sagt Gleeson. "Da geht es um das Bewusstsein der Leute." Hier zeigt ein Prototyp den großen Herstellern und Netzbetreibern, was sie heute schon alles besser machen könnten – falls, ja falls die Käufer plötzlich Wert auf Ethik beim Elektronikkauf legen sollten.

Werden sie es tun? Bevor in knapp zwei Monaten die erste Version des faireren Smartphones ausgeliefert wird, könnte es bereits ausverkauft sein, bei Redaktionsschluss waren nur noch 7.173 von 25.000 zu haben. Welche Pläne gibt es für ein Fairphone 2? Van Abel zählt auf: Schon jetzt arbeite man mit Open-Source-Programmierern daran, alternative Betriebssysteme wie Ubuntu und Firefox OS auf das Fairphone zu bringen. Die Dateien mit den Formen eines künftigen Gehäuses sollen frei verfügbar sein, damit jeder mit einem 3-D-Drucker Ersatzteile herstellen könne. Außerdem soll es dank modularen Designs beim nächsten Modell möglich sein, einzelne Bauteile auszutauschen.

Ob aber ein Fairphone 2 der nächste Schritt sein müsse, daran zweifelt van Abel. Da tickt seine Firma ganz anders als der Rest der Branche, die er mittlerweile von innen kennt. Und deren Innovationsdruck er sich nicht unterwerfen will: "Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen und den eingesetzten Materialien sind auch möglich, während wir weiterhin dasselbe Telefon herstellen" – nur noch etwas fairer.

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