Von diesem Mann weiß die Welt fast alles. Sie kennt seine sündhaft teure Badewanne mit integrierter Kopfablage und extravaganter Zugstiegsleiter. Sie weiß, dass seine Adventskranzhalterung 100.000 Euro gekostet hat. Sie weiß auch, dass der Bischof zu Limburg eine höllisch schnelle Limousine aus dem Premium-Segment fährt und sein Vorgänger, der wunderbare Bischof Franz Kamphaus, nur einen klapprigen protestantischen Golf. Nun will die Welt nur noch eines wissen: Wird Papst Franziskus den Verschwender seines Amtes entheben? Oder hat er Erbarmen?

Franz-Peter Tebartz-van Elst ist nun das, was man eine globale Persönlichkeit nennt. Er ist Schützling des Kölner Kardinals Meisner, ein Lieblingsbischof von Benedikt XVI. und das ungesalbte Haupt des konservativen Klerus. Aber nun gibt es einen neuen Papst. Und dieser Franziskus, oder bürgerlich Jorge Mario Bergoglio, will eine "arme Kirche für die Armen", und darin haben goldene Badewannen keinen Platz.

Natürlich hat der Limburger Bischof, wie man so sagt, "gefehlt". Kirchenrecht missachtet, Geld verschwendet, Gremien getäuscht und wohl auch gelogen. Aber der Streit um ihn reicht tiefer, und er geht über die Frage nach Luxus oder Askese hinaus. Hier wird ein höherer Konflikt ausgetragen, einer, der eine giftige schismatische Linie durch die römisch-katholische Kirche zieht und sie in zwei feindliche Lager spaltet: Soll die Kirche sich von der modernen Welt abwenden, ihre Schäfchen ins Trockene bringen und sich hinter den Fels Petri zurückziehen? Oder soll sie weiter in die Welt hineinwirken und durch Wort und Tat retten, was zu retten ist? Daran schließt sich die aktuelle Kontroverse an. Darf die Kirche reich sein oder muss sie in ostentativer Armut allem äußeren Schein entsagen?

Bischof Tebartz-van Elst hat diese Fragen in aller Deutlichkeit beantwortet, er hat seine Antwort in Beton gegossen. Sein neuer Amtssitz ist gebaute Theologie, er ist das in den Fels gefräste Sinnbild für den Rückzug aus der Welt. In Limburg mauert sich die Kirche ein und wendet dem profanen Leben eine schwarzgraue, mit messerscharfen Kanten versehene Giebelwand zu. Es ist Überwinterungsarchitektur, es ist Bauen in der arktischen Moderne. Erhobenen Hauptes geht die römisch-katholische Kirche darin ins Exil ihrer selbst – reich und unabhängig, in mondäner Schönheit und mit makelloser Eleganz.

Es ist falsch, dem Limburger Bischofssitz vorzuwerfen, er sei prunkhaft und "repräsentativ". Er ist das genaue Gegenteil, er ist aufreizend karg und verzichtet auf eine Repräsentation nach außen. Das Gebäude schweigt die Welt geradezu an, massiv, abweisend und verschlossen. Erst in seinem Inneren, unter der Erde, hinter meterdicken Mauern, hat die kirchliche Repräsentation ihren Ort, aber es ist eine Repräsentation nur für sich selbst: Die Kirche, so zeigen es die Fotos, schaut in den Spiegel und erinnert sich an das, was die teuflische Welt ihr angetan hat, an Blut und Opfer. In edlen Vitrinen sind Reliquien zu sehen, der Bischof ehrt die Märtyrer, die für die Wahrheit gestorben sind. "Nero Assoluto", so weiß die FAZ, heißt der Stein, der die Kapelle verkleidet, unter ihr ein freigelegter Turmstumpf aus dem Mittelalter, als die Bischöfe noch majestätisch an der Seite der Könige standen. Ein guter Ort, um sich selbst den Segen zu spenden.

Und die Hochleistungsbadewanne des Bischofs, die frei stehende Designertrophäe mit den steilen Wänden? Auch sie passt ins Bild der weltflüchtig verbunkerten Kirche, die klerikal-narzisstisch allein um sich selbst kreist. Das extraordinäre Stück sieht aus, als könne der Bischof darin Schutz suchen wie in einer Arche Noah, während weit draußen, über dem Meer der Moderne, gerade das Gottesgericht niedergeht.

Das ist keine private Theologie, die sich der Bischof Tebartz-van Elst in seinem Limburger Herrgottswinkel zurechtgemauert hat; es ist eine – Franziskus zum Trotz – immer noch mächtige Strömung in der Kirche. Ihr intellektueller Kopf ist der alte Papst Benedikt XVI., der bereits als oberster Glaubenswächter das Fundament gelegt hat für den Wunsch nach einem Auszug der Kirche aus der Gesellschaft, oder wie Kritiker sagen: für die Flucht in die Katakomben der machtgeschützten Weltverneinung. Roma aeterna.

Allerdings: Wenn die Kirche in der kalten Moderne überwintern und auf die Wiederkunft des Herrn warten will, dann muss sie, so lautet Benedikts Argument, dafür auch materiell gerüstet sein. Rom muss leuchten, denn es ist das einzige Licht in der Finsternis der modernen Welt. Im strahlenden Glanz soll sich die Papstkirche über die graue und gleichförmige Gesellschaft erheben, über das profane Einerlei des Konsums und all die formlosen libertären Lebensweisen.

Der gottlosen Öffentlichkeit zeigt man sich nicht in Sandalen, sondern als ecclesia triumphans, als triumphierende Kirche, mit zeremonieller Pracht, mit Goldbrokat, Edelsteinen, viel Purpur und byzantinischem Ornat, mit Heerscharen fein herausgeputzter Messdiener und lateinischer Messe. Doch so, wie der heidnische Kapitalismus nun einmal beschaffen ist, kostet der sakrale Schein Geld, sehr viel Geld. Aber das Materielle wird Gott geweiht, und deshalb, so glaubt Benedikt, verwandelt es sich unter dem Segen der Kirche in eine festliche liturgische Form, die die christliche Wahrheit zugleich ausstellt wie auch verhüllt. Denn die Wahrheit ist nicht für die vielen; sie ist für die wenigen.