Wie konnte das gut gehen? Es ist gut gegangen! Das große Festbankett mit Wildschweinen, nicht zu knapp, kann beginnen, Ende gut, alles gut. Denn in jedem Großraumwagen der Bahn sind jetzt wieder zwei, drei Köpfe ins Comic-Lesen vertieft: Asterix bei den Pikten ist da (Egmont Ehapa Verlag, Berlin/Köln 2013). Und wie! Oben auf dem neuen Band steht noch das seit 1959 gültige Traditionsmarkenzeichen vermerkt: "R. Goscinny. A. Uderzo", aber unter dem Titel stehen jetzt eindeutig Neuigkeiten: "Text Jean-Yves Ferri, Zeichnungen Didier Conrad". Ein Klassiker, der nach dem Tod seines unnachahmlichen Autors René Goscinny 1977 bald nur noch ein Schatten seiner selbst war, ist dank seiner neuen Schöpfer Ferri und Conrad, beim Teutates, wieder herrlich wie am ersten Tag.

Beim Teutates? Bei Fafnie! Das Seeungeheuer Fafnie, das sich als mythische Naturgewalt, je nachdem, dackeltreu in den Dienst unserer gallischen Freunde stellt oder fuchsteufelswild die lästigen Römerschiffe zertrümmert, darf als neuerdings liebenswürdigste Widerstandsheldin gegen den prometheischen Naturzugriff der Neuzeit verstanden werden und zugleich als einfältigste Verkörperung einer Natur, die einfach sie selbst ist, noch größer, noch dicker sogar als Obelix. Fafnie, das dem mythischen Riesendrachen Fafnir nachklingende Seeungeheuer im fernen Schottland, dort, wo die Pikten in ihren karierten Röcken wohnen, ist das Riesenformat, an das sich Ferri und Conrad also herantrauen, XXXXXL. Und für dieses Risiko muss selbst Idefix, der sehr kleine Hund und Protagonist der bisherigen Asterix-Hefte, diesmal zu Hause bleiben. Damit Fafnie auftauchen kann! Man freut sich, Idefix am Ende der Reise, zum Festbankett, wohlbehalten wiederzusehen, aber er hat unterwegs nicht gefehlt. Das will etwas heißen.

Dann allerdings, zweitens, laden sich die beiden Neuen Ferri und Conrad auch noch ein paar politische Elementarteile der Französischen Republik auf ihre Agenda, das Asylrecht plus die Trias aus Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, obendrein noch ein paar Grundsätze französischer Männlichkeit, und all dies ist in Le-Pen-Land ja kein Kleingeld, das man mal leichthin verspielen könnte. Schließlich sind Franzosen auch Käufer von Asterix-Heften. Aber, Fafnie sei Dank, es obsiegen auch in Identitätsfragen die grobianische Subtilität, die Feinheit des Banausischen, der Kitsch in der Hochkultur, die Lächerlichkeit in der Tragik, der Schmu in der einzigen großen Liebe. Und Camilla, die robuste Clan-Königin von nebenan? Käme für unsere gallischen Freunde nicht infrage. Vom Typus her, oder wie Asterix sagt: "Miraculix nennt das kulturelle Unterschiede und ... nanu, ich glaube, wir werden verfolgt." Es ist mit diesem brandneuen Asterix endlich wieder alles beim Alten, wir stehen auf den Schultern von Riesen, und wenn wir Glück haben, ist der Riese nicht Fafnie und taucht plötzlich ab, um einen seiner verborgenen Schätze aus der Tiefe zu bergen: jetzt, nur für uns.