Einen "plötzlichen Hoffnungsschimmer in der dunklen Nacht der Seele", so nannte William Somerset Maugham einmal die Shwedagon-Pagode in Yangon. Das vergoldete und mit Edelsteinen verzierte Monument ist nicht nur älter als das Taj Mahal im indischen Agra oder der Petersdom in Rom, es ragt auch höher in den Himmel. "Ich glaube", jubelte schon im 16. Jahrhundert ein weltreisender Engländer, "das ist der schönste Ort der Welt."

Myanmar, dessen Hauptstadt Yangon ist, war einmal das fortschrittlichste und reichste Land Südostasiens, von 1962 an litt es jedoch unter einer Militärdiktatur und internationalen Handelsembargos, durch die es nahezu von der Welt abgeschlossen war. Erst seit drei Jahren durchläuft Myanmar einen Demokratisierungsprozess und öffnet sich für den Tourismus. Der tschechische Fotograf Jaroslav Poncar ist, trotz schwierigerer Bedingungen, auch früher immer wieder hierher gereist. Seine Aufnahmen entstanden zwischen 1985 und heute. Poncar interessierten neben den Sehenswürdigkeiten vor allem die alltäglichen Verrichtungen der aus vielen Ethnien bestehenden Bevölkerung.

Frappierend ist, wie sehr sich seine Bilder über all die Jahre ähneln. Stünde unter dem Foto dieses Klosternovizen in Mandalay nicht die Jahreszahl 1985, es wäre von den neuesten Aufnahmen in diesem Band kaum zu unterscheiden. Offenbar hat die Moderne dieses so lange abgeschlossene Land nur sachte gestreift. Die Bewohner Myanmars mögen darunter leiden. Ihren ausländischen Besuchern aber bietet sich heute gerade deshalb der aufregende Anblick einer nahezu ungebrochenen Tradition.