Die Politik kann derzeit zufrieden sein, weil sich das Verhältnis zwischen Polen und Deutschland spürbar entspannt hat. Aber man täusche sich nicht: Über die wahre Lage gibt die Ankündigung der Mainzer Landesregierung Auskunft, von 2015 an ihren jährlichen Anteil (216 000 Euro) zur Finanzierung des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt zu streichen, des einzigen, das polnische Kultur und Literatur fördert – und damit die Verständigung mit unseren Nachbarn.

Empört hat sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gegen die Kritik verwahrt, sie nehme beim Sparen keinerlei Rücksicht auf polnische Befindlichkeiten. Die Politik verprovinzialisiert – auf skandalöse Weise. Und fürchten muss man: Mainz ist überall! Die Kürzungen sind lebensbedrohlich und demonstrieren die Tücken der Veralltäglichung eines hochsensiblen Nachbarschaftsverhältnisses. Auch Stiftungen ziehen sich still zunehmend zurück. Gefährdet bleibt sogar die berühmte Initiative Kreisau aus dem Jahr 1989, die noch auf Helmut Kohl und den gerade verstorbenen Tadeusz Mazowiecki, den ersten nichtkommunistischen Regierungschef in Warschau, zurückgeht.

Alltag und Nachbarschaftsroutine können, wie sich in Mainz zeigt, persönliches Engagement der Gründergeneration nicht ersetzen, die beispielhaft Karl Dedecius, der erste Direktor des Instituts (heute: Dieter Bingen), repräsentierte. Bernhard Vogel (CDU) oder Hans Koschnick (SPD) standen einst Pate, für sie war Polen Herzenssache. Marion Gräfin Dönhoff, der Herausgeberin der ZEIT, bedeutete es enorm viel, als Erste die Schirmherrschaft in Darmstadt zu übernehmen. Für Helmut Schmidt, auch er einige Jahre ehrenamtlicher Präsident, galt das nicht minder.

Polen war in gewissem Sinne stets ein "Elite"-Projekt – und das bleibt es wohl oder übel. Auf polnischer Seite könnte man stellvertretend dafür gerade auch Mazowiecki nennen, den katholischen Intellektuellen aus Plock, der in den entscheidenden Jahren, vor allem 1989, das Richtige wagte. Ein Großer! Stolz war er, dass die Polen damals Unmögliches möglich gemacht hatten. Zugleich stellte er seine Sorgen vor einem großen, wiedervereinigten Deutschland gleichsam zurück. Er vertraute den Deutschen – einmal wegen der Ostpolitik Brandts, aber dann auch beispielsweise wegen eines kleinen Instituts im hessischen Darmstadt, das polnische Literatur und Kultur förderte und das im Jahr von Solidarność, 1980, gegründet wurde.