"Fußball ist Zukunft." Vereint, innovativ und leistungsstark wolle man sein, rief DFB-Präsident Wolfgang Niersbach seinen Freunden zu, nachdem er beim DFB-Bundestag per Handzeichen im Amt bestätigt wurde. "Die Räume einer einschneidenden weiblichen Präsenz müssen weiter werden, gerade dort, wo in den verschiedenen Bereichen Autorität ausgeübt wird." Das hat nicht Wolfgang Niersbach gesagt, sondern das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus.

Immerhin fünf Positionen wurden im vielköpfigen DFB-Präsidium neu besetzt. Allesamt mit Männern. Es gibt wohl keine andere Branche, die sich so beharrlich der Berücksichtigung weiblichen Führungspersonals verweigert.

Während politische Parteien und öffentliche Behörden längst kla- re Quotenregelungen umgesetzt haben, Wirtschaftsunternehmen den ökonomischen Nutzen gemischter Führung erkennen, bleibt der Fußball, mit Ausnahme der Zuständigkeiten für den Frauenfußball, ein reiner Männerverein. Vereint immerhin, im verlässlichen jungsbündlerischen Versorgungsbetrieb. Aber innovativ? Zukunftsorientiert?

Es ist schwer, Argumente zu finden, warum Frauen das Land führen, Unternehmen lenken und bald die katholische Kirche bereichern könnten, das Fußballgeschäft indes eine Geheimwissenschaft sein soll, die sich mindestens auf Entscheidungsebene nur Männern erschließt. Für das Erstellen einer Bilanz oder die erfolgreiche Vermarktung eines Clubs braucht es keine Kenntnis über die Vorzüge einer Viererkette.

Der selbstreferenzielle Mythos, dass nur einer, der einst selbst auf dem Platz seinen Mann stand, die Komplexität des Geschäftes versteht, bröckelt mit dem Einfluss bekennender Quereinsteiger wie Liga-Chef Christian Seiffert. Und doch verfängt die ungeschriebene Regel von der unübertrefflichen Kompetenz des Inner Circle bei Personalentscheidungen noch immer.

Eine wohlgehegte Wirklichkeit, die unter dem Einfluss von Frauen von Veränderung und Entwicklung bedroht wäre. Vielleicht ist das die größte Sorge der handelnden Personen.

Auch zwei Jahre danach dient mir das Etikett, beim HSV einzige Frau in einem Bundesligavorstand gewesen zu sein, als eine Art Alleinstellungsmerkmal. Ich würde es gerne hergeben für viele kluge Frauen in Bundesligavorständen und Entscheidungsgremien. Doch danach sieht es noch nicht aus. Beim DFB-Bundestag waren Frauen vor allem für das Blumen- und Getränkeanreichen zuständig. Es scheint, als sei die katholische Kirche gegenwärtig noch ein bisschen mehr Zukunft.