"Ich bin auf der Suche nach mir selbst": Der Mann von 45 Jahren hat bekanntlich seine klassischen Probleme, und es wäre unangemessen, sich darüber zu mokieren, da ja irgendwann jeder mal im Glashaus sitzt oder saß. Unangenehm wird es aber immer, wenn jemand dortselbst anfängt, mit selbst geschriebenen Büchern zu werfen. So etwas macht Hosea Dutschke, 1968 in Berlin geboren, aufgewachsen in Dänemark, heute Verwaltungsdirektor für Pflege und Gesundheit in Aarhus. Kurz bevor Hosea zwölf Jahre alt wurde, starb sein Vater Rudi Dutschke an den Spätfolgen jener Schüsse, die 1968 Josef Bachmann auf ihn abgegeben hatte. Der frühe Verlust des Vaters, der zugleich eine historische Gestalt ist, ist das Initialerlebnis, und der erwachsene Sohn beginnt eine Selbstanalyse, die in ihrer Konstruktion interessant sein könnte: Er verwebt frühkindliche Erinnerungen mit der uferlosen Literatur über Dutschke, dessen Tagebüchern, Erinnerungen von Mutter Gretchen und vieler Genossen. Ganz schön komplex, aber leider will Hosea noch mehr: Er imaginiert Szenen seines Kleinkinddaseins hinzu, literarisiert sein normales Leben inklusive Job und Liebe – das allerdings in schwer verkitschter Sprache, die die Lektüre zur Qual macht. "Im Liebesspiel liebkosen wir einander, gieren nacheinander, erforschen, lieben und erlösen uns": Nein, das wollten wir vom Sohn lieber nicht wissen. Und Revolutionär Rudi hat solch Psychosoße nicht verdient.