Ein Berlin-Guide aus Österreich – warum nicht? Es schreiben ja auch genügend Deutsche ungefragt über Wien. Der mehrfach prämierte Kochbuchautor Gerd Wolfgang Sievers ist in beiden Ländern zu Hause und nimmt das Thema Essen sehr, sehr ernst. Die Frage, was gerade hip ist, wird in seinem Buch Berlin für Genießer beinahe immer ignoriert.

Hier geht es fast nur darum, wo man gut isst oder trinkt, vom unvermeidlichen Borchardt bis zum etwas obskuren Vietnamesenmarkt in Lichtenberg. Bei den teuren Lokalen ist auf den Führer aber leider nur bedingt Verlass. Die zweifelhaften Urteile sind schon am Werbejargon zu erkennen, der zum Beispiel verheißt, man werde "im Dachgartenrestaurant Käfer kulinarisch aufs Feinste verwöhnt".

Meist aber ist Gerd Wolfgang Sievers mit Herz und Verstand bei der Sache; vor allem natürlich bei der Würdigung der vielen österreichischen Restaurants, die gut davonkommen, obwohl der Autor beim Tafelspitz auch schon mal die G’schmackigkeit vermisst. Sogar von Buletten und Berliner Weiße versteht er mehr als die meisten Berliner. Dass Sievers daraus keinen Hehl macht und zwischendurch in die Ichform wechselt oder eigene Rezepte auffährt, mag eilige Leser nerven. Aber das Buch heißt ja auch nicht "Berlin für Hektiker".