DIE ZEIT: Frau Brumsack, Sie verwenden Obst und Gemüse, das es niemals in die Supermarktregale schaffen würde. Wie kamen Sie darauf, mit Abfällen zu kochen?

Lea Brumsack: Fast die Hälfte der Ernte landet täglich im Müll, sie bleibt auf dem Acker liegen oder wird an Tiere verfüttert. Warum?, haben wir uns gefragt. Norm steht ja nicht für Qualität. Eine Zucchini, die vom Hagel ein paar Narben hat, schmeckt so gut wie eine ohne Schönheitsfehler.

ZEIT: Wo bekommen Sie Ihr Gemüse her?

Brumsack: Wir arbeiten mit Bauern aus der Region zusammen. Anfangs sind wir selbst auf die Äcker und haben nach Kartoffeln gebuddelt, weil wir eine Beziehung zu dem wollten, was uns ernährt. In unserer Gesellschaft ist das Gefühl dafür abhandengekommen: Man ist gewohnt, alles zu bekommen. Noch dazu makellos ...

ZEIT: Die Gesellschaft will es so.

Brumsack: Nein. Bei den Caterings und Workshops sind die Leute oft überrascht, dass die Sachen genauso gut schmecken. Ein Apfel aus Neuseeland ist rund, er glänzt, aber beißen Sie mal rein. Pestizide, Wachsschicht. So schmeckt kein guter Apfel. Viele wollen anschließend wissen, wo man die Sachen herbekommt.

ZEIT: Und?

Brumsack: Jeder kann direkt zu einem Bauern fahren oder auf Märkten nach Gemüse außerhalb der Norm fragen. Einer unserer Bauern verkauft einen Teil seiner krummen Ernte an Berliner Biosupermärkte.

ZEIT: Was wäre die beste Umweltpolitik?

Brumsack: Für nachhaltige Landwirtschaft sorgen. Wie kann Gemüse mit Pestiziden oder Milch aus nicht artgerechter Haltung gesund für uns sein?