Mathematik ist die Musik des Kaufmanns. Plus ist der Gewinn, Minus sind die Kosten. Richtig komponiert, bleibt am Ende des Tages mehr Plus als Minus, sodass die Kasse wirklich klingelt.

Mit Zahlen, da haben sie es. Mit der Sprache, da haben sie es nicht so, unsere Einzelhändler. Und wenn beides zusammenkommt, geht es in der Regel komplett schief. So wie bei der beliebten Text-Rechenaufgabe, die zuverlässig und fast das ganze Jahr über in den Schaufenstern hängt. Sie lautet: "Bis zu 30 % auf alles", und ist auch in den Varianten 50 und 70 % erhältlich. Was sie verheißen mag? Man weiß es nicht, und es ist auch völlig egal, weil die Kundschaft nicht nachdenken, sondern in der Erwartung einkaufen soll, hier gebe es auf alle Produkte hohe Preisnachlässe.

Doch erstens steht nirgendwo, dass es sich um einen Abschlag handelt (es könnten ja auch 30 % mehr sein). Und zweitens deutet die gleichzeitige Verwendung von "bis zu" mit "auf alles" eine höchst unklare Situation an. Entweder gibt es zwar 30 % Rabatt auf alle Produkte – aber eben nicht immer und womöglich just in dem Moment nicht, in dem man den Laden betritt. Oder es sind nur manche Produkte ermäßigt, andere hingegen nicht. In diesem Fall ist unter Garantie ausschließlich das Zeug rabattiert, das man unter keinen Umständen und nicht mal geschenkt haben will. Am Ende bleiben enttäuschte Erwartungen.

Doch bitte nicht traurig sein. Behaupten die Verkäufer nicht gern, der Kunde sei König? Versetzen wir uns gedanklich kurz ins Mittelalter und überlegen: Was würde ein König tun, der soeben kapiert hat, dass ihn sein Untertan für dumm verkaufen wollte? Richtig, er würde ein Plätzchen im Burgverlies herrichten lassen. Oder, als weiser Herrscher, nur milde lächeln.