Es wäre eigentlich sonnenklar. Wer noch ganz bei Trost ist, kann der Familieninitiative der SVP, die auch Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen, einen Steuerabzug gewähren will, nicht zustimmen. Das Ansinnen benachteiligt die schlechter Verdienenden, die wegen ihrer existenziell nötigen Arbeitstätigkeit auf eine Fremdbetreuung ihres Nachwuchses angewiesen sind, und bevorzugt diejenigen, die es sich leisten können, auf eine solche zu verzichten. Es ist eine zutiefst unsoziale Vorlage, die sich ins Deckmäntelchen der Gerechtigkeit gehüllt hat.

Zudem ist diese Initiative alles andere als geeignet, mehr Frauen in den Arbeitsprozess zu bringen – etwas, wonach die ökonomische Realität schreit. Die Wirtschaft braucht mehr Frauen, vor allem aus Gründen der besseren Durchmischung. Und wir können es uns nicht leisten, Frauen teuer auszubilden, um sie dann wieder an Heim und Herd zu verlieren. Ja, dies liegt nicht allein am Geld und auch nicht allein in den Händen der Wirtschaft, aber Staat und Wirtschaft müssen alles tun, um den Frauen den Weg in den Arbeitsprozess zu ebnen. Dazu gehört etwa auch, dass mehr Männer Teilzeit arbeiten können (und wollen). Im Übrigen ist es wissenschaftlich erwiesen, dass Beziehungen, in denen sich Mutter wie Vater die Familien- und Erwerbsarbeit teilen, länger halten. Das müsste gerade dem Mann einleuchten, ist für ihn eine Scheidung doch heutzutage immer noch ein Armutsrisiko.

Würden wir die Familie als Unternehmen betrachten, wäre es undenkbar, dass nur eine oder einer arbeiten geht. So etwas bezeichnet man in der Sprache der Manager als Klumpenrisiko. Arbeiten beide, kann auch mal einer ausfallen, ohne dass die Firma Familie untergeht.

Das alles wissen wir aber eigentlich, wir reden seit Jahren darüber, die Botschaft sollte angekommen sein. Und deshalb erstaunt es umso mehr, dass laut letzten Umfragen 64 Prozent der Stimmbürgerinnen und -bürger der Familieninitiative zustimmen wollen, darunter auch erstaunlich viele aus dem linken Lager. Sie alle scheinen bereit, für ein kleines bisschen Steuererleichterung die Fortschritte zu einer wahren Gleichberechtigung, die auch ökonomisch dem Gebot der Vernunft entspräche, aufs Spiel zu setzen.

Offensichtlich sind wir also noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Die Unsicherheit, wie die Familie von heute aussehen und funktionieren soll, ist immer noch groß. Das ist nicht weiter schlimm, jeder soll nach seiner Façon glücklich werden. Wer zu Hause bleiben will, der soll dies tun können, aber nur wenn er oder sie die freie Wahl hatte. Dafür belohnt werden aber sollte keiner.

Leider wird man den Eindruck nicht los, dass es sich vor allem um Bequemlichkeit handelt. Es ist, auf den ersten Blick, für ein Paar mühsamer, sich Erwerbs- und Familienarbeit zu teilen. Es gibt mehr Reibereien, man muss mehr miteinander sprechen, die Zuständigkeiten verlangen danach, immer wieder neu ausgehandelt zu werden. Aber dafür bekommt man auch mehr zurück. Eine Beziehung etwa zum Partner und zu den Kindern, die diesen Namen verdient. Und am Ende des Tages oder gar des Lebens werden wir zurückblicken und sagen können: Es war gut. Dieser Satz sollte es uns wert sein, diese Initiative an den Absender zurückzuschicken.