An diesem Wochenende treffen sich die Schachsammler der Chess Collectors International im Bayerischen Nationalmuseum (voller herrlicher Schachspiele) in München. Ein eigener Schachstamm, dem es mehr um die Schönheit der Schachfiguren als um Züge und Kombinationen geht.

Eigenartigerweise ist ein Vortragsschwerpunkt in der ziemlich kontinentalen bayerischen Landeshauptstadt "Schach(figuren) und Seefahrt". Vermutlich hätte sich auch Siegbert Tarrasch gewundert, der in Nürnberg und München lebte und sein schlechtes Abschneiden beim WM-Kampf gegen Emanuel Lasker 1908 in Düsseldorf auf das dortige "Seeklima" zurückführte. Nun also schachliche Seefahrt in München. Vielleicht kommt dabei auch der Engländer William Davis Evans zu Ehren, der im 19. Jahrhundert als Schiffskapitän die Weltmeere befuhr, wobei er nicht nur das "System der dreifarbigen Schiffslichter" ersann, um nächtliche Kollisionen zu vermeiden, sondern auch das nach ihm benannte "Evans-Gambit" (1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4!), immer noch eine gefährliche Angriffswaffe, mit der Kasparow den jetzigen Weltmeister Anand bezwang. Die glänzende Kombination ("natürlich" aus seinem Gambit entstanden) gegen Alexander McDonnell glückte Evans 1826, allerdings auf festem Boden in London.

Mit welch herrlicher Opferkombination nützte Evans als Weißer am Zug die unrochierte Lage des schwarzen Königs in der Mitte siegreich aus?

Lösung aus Nr. 44:

Wie gewann Weiß am Zug schön und gewalttätig zugleich? Nach dem "Kracher" 1.Sf5!! drohte auf dreierlei Weise Matt: 2.Sh6, 2.Dg7 und 2.Sxe7. 1...Txe5 scheitert an 2.Sxe7+, 1...gxf5 an 2.Tg3+. In der Partie folgte noch 1...Db4 2.Dg7 matt. Allerdings hätten auch andere weiße Züge gewonnen, wenn auch weniger schön und langsamer