Er lächelt entspannt, als habe er eine Generalvollmacht zum Lächeln, und die besitzt er ja irgendwie. Der DJ der Welt. Hat eine Million Follower bei Twitter. Hielt diese Follower in den vergangenen Wochen von Buenos Aires, Dublin und Los Angeles aus auf dem neuesten Stand. Da überall legte Paul van Dyk auf.

Man muss nicht lange darüber nachdenken, dass es für ein Gespräch zwischen Journalistin und Weltmann nur ein schmales, ja, sehr schmales Zeitfenster gibt. Nach Eisenhüttenstadt – der Ort, in dem er aufwuchs – zu fahren, das koste zu viel Zeit, sagt die Agentur. Ein Spaziergang? Wohin denn? Okay, dann zwei Stunden irgendwo? Ja, wo denn? Ja, im Café Einstein vielleicht? Das Unter den Linden? Ja, genau das!!! Daumen hoch, es klappt! Denn da wohne Herr van Dyk ja auch um die Ecke. Supi.

Man wollte nach Eisenhüttenstadt, man landete im Einstein. Das ist der Spagat im Leben dieses Paul van Dyk.

An einem sonnigen Morgen also in diesem sogenannten Prominentencafé: Journalistin fragt gehetzt, wie nun eigentlich sein Verhältnis zu Eisenhüttenstadt sei; kann ja sein, dass einer auch an seine Kindheits- und Geburtsstätte gar nicht mehr zurückwill, nicht mal gedanklich. "Ich war noch ein paar Mal in Eisenhüttenstadt, aber immer nur beruflich", sagt er. Mit Kamerateams war er schon da. Und auf dem Stadtfest spielte er, auf Einladung der Stadtverwaltung. "Eisenhüttenstadt ist der einzige Ort, der mich überredet hat, auf einem Stadtfest zu spielen", sagt er. Das sei mit großer Angst verbunden gewesen. Direkt vor ihm spielten The BossHoss. Das Beste der Achtziger und Neunziger auf Country. Also, da hätten selbst die Stones Angst bekommen, nach denen spielen zu müssen. Es seien Wodkaflaschen geflogen. Er habe also Angst gehabt und dann sofort auf der Bühne alles gegeben, es seien auch Leute von überall anders her gekommen, also nicht nur Leute aus Eisenhüttenstadt. Insgesamt habe es dann prima funktioniert.

"In meiner Wahrnehmung bin ich aber ein Berliner. Als ich sechs war, sind wir umgezogen. Die ersten Exkursionen ohne meine Mutter fanden in Berlin statt. Wir sind viel umgezogen: Friedrichshain, Lichtenberg. In die Spittastraße zum Beispiel, eine Ecke, in der die Defa gern alte Kriegsfilme drehte."

Was hat er denn da für eine Uhr? Eine Rolex. Ob er nun ein Klischee erfülle, fragt er. Keinesfalls. Es ist ja eine schöne Uhr, silber-gold, sehr schlicht. Auch sein T-Shirt ist schön schwarz. Eine wunderbare Mischung ist sein Dress aus Weltstar (Rolex) und schwarzem T-Shirt. Und gefrühstückt werden Eier, hier im Einstein. Das ist doch alles wunderbar.

"Meine Mutter hat mir eine Kindheit ermöglicht, in der ich nicht viel vermisst habe. Ich habe immer Fragen gestellt in der Schule. Zum Beispiel, wenn ein Kind nicht mehr da war: Dann hieß es, die seien jetzt im Westen. Und ich fragte: Wie kann das sein, wir dürfen doch gar nicht in den Westen reisen. Ausreiseantrag? Aha, ach, und was ist das? Meine Mutter wurde daraufhin in die Schule geladen; und da saß auch gleich so ein NVA-Mann." Derweil nimmt direkt am Tisch hinter Paul van Dyk sein Agent Platz.

Es heißt, Paul van Dyk habe das zweitgrößte Lufthansa-Meilenkonto

"Meine Mutter hat dann mir zuliebe beschlossen, auch einen Ausreiseantrag zu stellen. Ich durfte nicht auf die Erweiterte Oberschule, war wohl nicht zahm genug. Ich war sehr gut in der Schule, worüber sich die Lehrer auch immer geärgert haben. Ich habe meiner Mutter viel zu verdanken. Ich kann mit einem Ohr hinhören und verstehe die Sachen dann trotzdem." Ah ja.

"Wir haben zwei Jahre gewartet. Eineinhalb Wochen vor dem Mauerfall sind wir raus." Sie, die Mutter, hatte in der DDR als Teilkonstrukteurin gearbeitet, als eine Art Architektin für kleine Dinge: Türknäufe zum Beispiel, Lichtschalter. Kleinigkeiten, die manche Menschen glücklich machen. Mit seinem Vater hat Paul van Dyk (der eigentlich Matthias Paul heißt) heute keinen Kontakt, die Eltern hatten sich früh scheiden lassen. Würde sein Vater anrufen und zum Erfolg gratulieren, fände der Sohn das seltsam; der Vater hätte ihm ja auch beim Schulabschluss zum Erfolg gratulieren können.

Draußen bedrängen die Wolken wieder den Himmel, aber drinnen erweist sich Paul van Dyk als Sonnenschein. Über Privates redet er gar nicht so ungern, interessanterweise. Das Private ist vielleicht auch der Grund für seine gute Laune, er hat wieder eine gewisse Balance, nach schwereren Monaten. Vergangenes Jahr ließ er sich scheiden, nach 13 Jahren Ehe; er ist von Grunewald nach Mitte umgezogen, zurück nach Ostberlin. Könnte sein, dass seit der Scheidung die Frage nach seinen Wurzeln wieder wichtiger geworden ist für ihn.