Meine nächtlichen Träume sind eher unspektakulär und wenig präzise. Ich träume eher Emotionen und Geräusche als Farben und konkrete Bilder. Es gibt selten eine Handlung, und ich wünsche mir dann noch im Schlaf, dass endlich mal etwas Spannendes passiert. An positive Träume kann ich mich nur selten erinnern. Meistens sind es die Albträume, die hängen bleiben. Seit einiger Zeit träume ich zum Beispiel immer wieder davon, den Mund voller Scherben zu haben. Vorsichtig entferne ich eine nach der anderen. Doch je mehr Scherben ich rausziehe, desto voller wird mein Mund. Sehr unangenehm!

Ein lang gehegter Traum von mir ist es, eine kleine Techno-Farm zu gründen: auf einem Bauernhof irgendwo auf dem Land, fernab der Stadt, mit mehreren Gebäuden. In einem wohnen mein Mann und ich, in einem anderen ist ein Musikstudio, in dem er professionell arbeiten kann. Es gibt ein Gästehaus, in das sich Bands einmieten können. Und einen großen Garten, in dem ich Gemüse und Obst anbaue, um für unsere Besucher zu kochen. So würden wir alles, was uns Spaß macht, miteinander verbinden.

Obwohl ich schon seit Jahren in der Großstadt lebe, verspüre ich oft eine Sehnsucht nach dem Land, nach Ruhe, Entspannung, Gelassenheit. Das Handy ausschalten, auf Facebook und Twitter verzichten. Runterkommen. Etwas Bodenständiges machen. Wahrscheinlich hat dieser Wunsch auch etwas mit meiner Kindheit in Thüringen zu tun. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, wir hatten einen großen Garten und Tiere. Meine Oma und meine Mutter kochten viel Marmelade und weckten Gemüse ein. Man arbeitet, um etwas zu essen zu haben – das ist ein ganz einfaches menschliches Bedürfnis.

Vor Kurzem haben mein Mann und ich uns ein kleines Landhaus in der Uckermark gekauft. Mein Traum lässt sich da leider nicht verwirklichen, aber ich betrachte das Ganze als einen Test für später: Ich möchte herausfinden, wie lange ich es dort aushalte, bis mir die Decke auf den Kopf fällt und es mich wieder in die Stadt zieht. Zurzeit wird das Haus ausgebaut, wir lassen gerade den Boden komplett herausreißen und erneuern. Wohnen kann man da also noch nicht, aber neulich sind wir mal übers Wochenende hingefahren und haben im Garten gezeltet. Als Jugendliche habe ich so was öfter gemacht, bin einfach mit ein paar Freunden ins Auto gestiegen, mit einem Zelt im Kofferraum, und los ging’s. Wir fuhren nach Kroatien oder Frankreich, und wo es uns gefiel, ließen wir uns nieder. Das war die absolute Freiheit.

In Deutschland wäre das verboten. Deshalb träume ich davon, mal mit meinem Mann nach Skandinavien zu fahren. Dort kann man campen, wo man will. Immer wieder sagen wir uns: Irgendwann machen wir das. Unsere zwei Hunde, Hilde und Bärbel, im Gepäck, mein Mann am Steuer, ich auf dem Beifahrersitz. Karten lesen kann ich super, außerdem würde ich mich um Verpflegung und die Musik kümmern. Im Freien zu schlafen ist für mich kein Problem, ich bin da nicht ängstlich. Überhaupt bin ich relativ unkompliziert, wenn’s ums Schlafen geht. Wenn ich müde bin, kann ich wirklich überall dösen. Einfach hinlegen, Augen schließen und gut ist’s.

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