Wenn der aufrechte Mensch aus der Senkrechten in die Waagerechte kippt, setzt der Gleichgewichtssinn aus, der zum Raffiniertesten gehört, was unser Stammhirn erzeugt hat. Hart ist es allemal, auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen zu werden. Kinder fangen an zu brüllen, häufig fließt sogar Blut.

Zufällig ist Adolf Menzel solch ein Kind vor die Füße gepurzelt, gerade zum richtigen Zeitpunkt. Nämlich im Jahr 1881, als er, nun schon ein älterer Herr von Ende 60, zum ersten Mal nach Italien gereist ist. Was da alles los ist auf dem Markt von Verona – Seite um Seite füllte sich sein Skizzenbuch. Das Blatt ist eine Vorstudie zu Menzels letztem großformatigen Ölgemälde, Piazza d’Erbe in Verona, 1884. Da findet man das gestürzte Mädchen unten links im Vordergrund des Markttreibens wieder. Auf der Studie indes hat er es gleich mehrfach festgehalten: am oberen Bildrand noch platt am Boden liegend, in der Mitte, einen Moment später ausgeführt, den Kopf hebend und mit den Beinen strampelnd. Schön schwarz die Füße, angewinkelt die Unterschenkel, das Kleidchen aufgeplatzt.

Hingeworfen ist das nicht, sondern akribisch aufs Blatt gebracht mit dem Zimmermannsbleistift, der weniger Grafit und einen höheren Fettanteil enthält. Damit lässt sich schraffieren, wischen, konturieren, ganz nach Bedarf. Weil er ahnte, dass er die Zeichnung noch einmal verwenden würde, hat Menzel notiert: "10 J. Ganze Größe", dazu noch Angaben in Fuß und Zoll.

An die 6.000 Zeichnungen hat er hinterlassen, der kleinwüchsige, eigenbrötlerische Menzel, häufig abgestempelt als affirmativer Historienmaler. "Er zeichnete, wo er ging und stand, mit geradezu krankhaftem Eifer", schreibt Paul Meerheim. Dennoch hat dieses Blatt, das einmal zur Sammlung der Berliner Nationalgalerie gehörte, halt seinen Preis (48.000 Euro, www.moellerart.net). Auf der Münchner Messe Highlights ist Gelegenheit, Ein purzelndes Mädchen in Augenschein zu nehmen (8. bis 13. November).