Seit wann ist eine Umfrage des Vatikans eine Sensation? Solche Fragebögen gibt es fast so lange wie die Synode der Bischöfe. Ein Blick zurück: Die Synode, die 1965 als neuer Weg zur kollegialen Leitung der Weltkirche gefeiert wurde, produzierte meist Papiere, die kaum Beachtung fanden. Seit den 1980er Jahren ist das Verfahren immer gleich: Arbeitsimpulse werden von Rom an alle Bischofskonferenzen verschickt. Im Anhang gibt es einen Fragenkatalog, der dazu dient, den aktuellen Stand der Dinge festzustellen.

Allen Vorurteilen zum Trotz: Die katholische Kirche handelte nie – auch nicht unter Benedikt XVI. – im luftleeren Raum einer von der Welt losgelösten Dogmatik. Im Gegenteil. Nichts Menschliches ist ihr fremd. Doch weil die Leitungsebene nur noch selten das Ohr an der Basis hat und weil außerdem diese Basis zwischen Hildesheim und Hongkong sehr unterschiedlich tickt, sind Befragungen nützlich. Mit ihnen verschafft sich das Synodensekretariat in Rom bei den weltweit etwa 120 Bischofskonferenzen und den 2600 Ortsbischöfen einen Überblick, bevor es Leitanträge für die Synodendebatte formuliert.

So geschah es auch jetzt für die geplante Sonderversammlung der Bischofssynode im Herbst 2014. Woher also die Aufregung? Das liegt am Thema der Befragung. Offiziell geht es um "die Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung". Auf Deutsch geht es um Sex und Moral. Also um die Bruchstelle zwischen kirchlicher Lehre und Lebenswirklichkeit vieler Millionen Katholiken. Dass da ein Abgrund des Nichtverstehens klafft, ist lange bekannt. Dass die Kirche sich damit auf höchster Ebene auseinandersetzt, war überfällig. Zudem hat die Wahl des neuen Papstes Kirchgänger wie Medien elektrisiert. Ihre Wahrnehmung ist wacher. Freudig wird begrüßt, was Neuerung verspricht, überall wittert man den Wind des Wandels. Und diese neue Wahrnehmung wirkt auf jene, die die Fragebögen verschicken und beantworten. Vielleicht wirkt sie auch auf die Synodenväter. Sie müssen aus den Antworten Schlüsse ziehen.