Manchmal sind sie sich zu sehr freund, manchmal zu sehr feind, und kompliziert bleibt das Verhältnis zwischen Journalisten und Geheimdienstlern immer: Beide gieren nach Informationen, aber die einen wollen damit ins Rampenlicht, die anderen bleiben lieber in der Schattenwelt. Immer wieder scheinen die Rollenbilder aber auch zu verschwimmen. Da lancieren Agenten Geschichten, Reporter fangen an, Telefone anzuzapfen, oder sie werden gar zu Informanten, wie es der Spiegel unlängst in vier Fällen aus den fünfziger und sechziger Jahren herausfand. Grund genug, die Verhältnisse zu klären.

Die ZEIT hat deshalb beim Bundesnachrichtendienst (BND) nachgefragt, ob es zwischen der Redaktion und dem BND (oder seinem Vorläufer, der "Organisation Gehlen") in den fünfziger und sechziger Jahren ebenfalls Kontakte gegeben hat. In der schriftlichen Antwort aus Pullach wird ein einziger Name genannt, jedoch ein gewichtiger: "Frau Dr. Marion Hedda Ilse Gräfin Dönhoff", ehemalige Chefredakteurin und Herausgeberin der ZEIT, sei für die Jahre 1962 bis 1972 als "Sonderverbindung Presse" geführt. Die Tarnnamen: "Mariechen" oder "Dorothea".

Damit hat der BND offiziell bestätigt, was bereits Ende der neunziger Jahre der Geheimdienstkritiker Erich Schmidt-Eenboom enthüllt hatte: In seinem Buch Undercover berichtete Schmidt-Eenboom damals von einer Liste des BNDs, auf der neben Dönhoff auch andere prominente Namen wie Henri Nannen oder Mainhardt Graf von Nayhauß als "Presse-Sonderverbindungen" aufgeführt gewesen seien. Was für eine Art des Kontakts sich hinter diesem Bürokratendeutsch verbarg, konnte zu dem Zeitpunkt allerdings nicht sicher geklärt werden.

Die damalige ZEIT-Herausgeberin Dönhoff, die 2002 starb, sagte nach Bekanntwerden der Vorwürfe im ARD-Frühstücksfernsehen: "Da war wirklich nix."

Gegenüber Schmidt-Eenboom soll sie lediglich Gespräche mit BND-Mitarbeitern eingeräumt haben – als "Verbindung" habe sie sich nie empfunden. Diese Darstellung scheint die Antwort aus Pullach auf die Anfrage der ZEIT zu untermauern: Nach den derzeit vorliegenden Informationen gebe es "keinen Hinweis auf einen möglichen Informationsbeschaffungsauftrag des BNDs oder eine etwaige Entlohnung von Gräfin Dönhoff". Es habe sich demnach "nicht um eine nachrichtendienstliche Zusammenarbeit gehandelt, sondern um einen reinen Gedanken- und Informationsaustausch zur Presseberichterstattung in gegenseitigem Interesse". Dönhoff habe den ersten BND-Präsidenten Reinhard Gehlen persönlich gekannt.

Um Belege für diese Art des Kontakts zu suchen, reicht ein Blick ins ZEIT- Archiv: Am 26. Juli 1963 erschien ein Artikel mit der Überschrift Gehlens Geheimdienst – von Marion Gräfin Dönhoff. Man mag ihren Blick auf Gehlen nach der Lektüre durchaus als "völlig unkritisch" einschätzen, wie es Schmidt-Eenboom tat (Dönhoff beschreibt den BND-Mann als "Gentleman" mit "großer Wärme" und einem Gehirn wie ein "Elektronenrechner"). Unklar bleibt, warum der Bundesnachrichtendienst für eine solche "Sonderverbindung" gleich zwei Tarnnamen erfand.