Box Saxton ist tief gefallen. Vor Kurzem war er noch ein erfolgreicher Bauunternehmer: 25 Angestellte, ein BMW, ein Haus mit Blick über den Strand. Dann kam die Finanzkrise. Auch in Neuseeland bricht der Immobilienmarkt ein. Saxton verliert alles, das Haus, das Auto, die Privatschule für die Kinder. Und dann, an einem Nachmittag im Herbst, ruft seine Frau ihn an und sagt, dass ihr 19-jähriger Sohn Mark sich umgebracht hat. Was ist passiert?

Es ist kompliziert: Carl Nixon erzählt in Settlers Creek eine Geschichte aus einem Land, in dem die Rezession alte Wunden aufreißt. Box ist Marks Stiefvater. Sein leiblicher Vater ist Tipene Pitama, ein Maori aus Kaikoura, der kurz nach dem Tod auftaucht und Marks Leiche fordert, um ihn "bei seinen Ahnen" beizusetzen. Als Box sich weigert, stehlen die Maori die Leiche. Strafbar ist das in Neuseeland nicht: Settlers Creek ist ein Thriller ohne ein Verbrechen – ein hartes und extrem desillusionierendes Buch über einen anhaltenden identitätspolitischen Konflikt. Auf der einen Seite Box Saxton, dessen "Wurzeln" gerade mal bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, als seine bitterarmen Vorfahren aus England kamen – und auf der anderen Seite Tipene Pitama, der seine Ahnenreihe bis in die Zeit der ersten polynesischen Kanus zurückverfolgen kann: Diese beiden Männer – diese beiden Konzepte! – prallen bei Carl Nixon mit einer derart archaischen Wucht aufeinander, dass zuletzt keiner mehr fragt, warum sich ein Teenager mit einem Strick um den Hals auf einen wackeligen Zaunpfahl stellt und in den Tod springt. Auch das kein Verbrechen, sondern eine statistische Einheit: "Nirgendwo auf der Welt", tröstet der Bestatter Marks Eltern, "bringen sich so viele Jugendliche um wie bei uns."