Endlich bewegt sich etwas auf dem Gebiet der Rationalisierung. Der Vizekanzler hat ja seit Jahren, von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt, auch die Agenden der Außenpolitik inne. Diese findet allerdings de facto nicht statt, was durchaus positive Effekte haben kann. Dadurch werden etwa bilaterale Verstimmungen und teure diplomatische Initiativen vermieden. Zudem ist der nominelle Außenminister auch Chef seiner Partei und neuerdings auch Klubobmann seiner Fraktion im Parlament. In dieser Funktion ist es sein Job, sozusagen als kleiner Kettenhund dem Parteichef den Rücken frei zu halten. Somit ist der Ämtermulti Hund und Herrl in Personalunion. Das klingt nicht nur radikal neu, es ist es auch. Die Funktionsakkumulierung spart beispielsweise Handykosten. Ebenso sind solch multiple Amtsträger auch bei Budgetverhandlungen durchaus hilfreich. Es ist in der Regel kaum je mit einer nachhaltigen Beschädigung des Vertrauensverhältnisses verbunden, wenn man seine eigene Forderung entschieden abschmettert. Weil es in dieser Konstellation etwas Wesentliches nicht gibt, das zu einer Verstimmung zwischen zwei Verhandlungspartnern unbedingt notwendig ist: den anderen.

Es ist eigentlich immer der andere, an dem es liegt. Wenn sich zum Beispiel Stagnation einstellt. Der andere ist eine dankbare Projektionsfläche für alles erdenklich Negative, ein Depot übler Eigenschaften. Er, der andere, ist es stets, der die glorreichen Ideen des einen bremst. Noch effizienter wird diese Strategie, wenn man den anderen neutralisiert. So entsteht das andere. Und dann wird’s richtig kommod. Das andere ist gesichtslos und eignet sich daher hervorragend, irgendwelchen Kampagnen als Ziel zu dienen, ohne dass diese deshalb auch gleich zielführend sein müssen. Bekommt aber das andere plötzlich wieder ein Gesicht, wird’s mit einem Mal erneut kompliziert. Auseinandersetzungen sind dann unvermeidlich, und die führen häufig zu ungeahnten Ergebnissen. Das sollten die bedenken, die von den anderen immer nur das eine denken.