Erst die Glühbirne, dann das Ölkännchen und jetzt die Tüte? Auf den ersten Blick scheint es, als passe sich die Brüsseler Idee, die Plastiktüte aus der Welt schaffen zu wollen, nahtlos in die Liste der irren europäischen Regulierungsideen ein. Doch so einfach ist es diesmal nicht. Denn die praktische dünne Verpackung erzeugt tatsächlich ein katastrophales Problem: die Vermüllung der Erde.

Weltweit nimmt die Menge des Unrats rasant zu: 3,5 Millionen Tonnen Müll wirft die Menschheit weg – jeden Tag. Tüten sind zwar nur ein kleiner Teil davon, doch sind sie besonders perfide. Sie halten lange, sie vergiften Tiere, wehen über die afrikanischen Felder, liegen in den Wäldern Asiens und verschandeln die Strände in Lateinamerika. Im Pazifik schwimmt inzwischen ein Plastikstrudel von der Größe Indiens.

Der Strudel wird natürlich nicht verschwinden, nur weil die EU-Kommission den Regierungen erlauben will, die Tüte zu verbieten. Aber es wäre ein Anfang. Die Rechnung geht so: Jeder Deutsche verbraucht im Jahr im Durchschnitt 71 dieser Verpackungen. Bei einem Verbot nur hierzulande würden jährlich fast sechs Milliarden weniger weggeworfen.

Damit weltweit etwas geschieht, müssten auch Organisationen wie die UN das Problem aufgreifen. Dann sollte es aber nicht nur um die Tüte gehen, sondern auch um die Dinge, die drin sind. Auch die sollten nicht mehr so schnell auf der Halde landen. Unternehmen müssten die Wiederverwertung planen, noch bevor die Produktion begonnen hat. Kreislaufwirtschaft nennt sich das. Ideen, wie die gefördert werden könnte, werden dringend gebraucht. Sie dürften auch gern wieder aus Brüssel kommen.