Seit die Europäische Zentralbank (EZB) vor einigen Jahren damit begonnen hat, die Zinsen zu senken, haben alle Angst vor der Inflation. Bislang kam sie aber nicht. In einigen Ländern Europas steigen die Preise praktisch überhaupt nicht mehr. Die Furcht vor dem Gegenteil geht um: Deflation.

Fallende Preise sind ein Problem, denn wenn alles billiger wird, nimmt der reale Wert der Schulden zu. Das kann insbesondere in den klammen Staaten im Süden des Kontinents zur Last werden und die zarte Konjunkturbelebung zunichtemachen.

Deshalb hat die Zentralbank den Auftrag, die Teuerung bei knapp zwei Prozent zu halten – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Auf dieses Ziel hat man sich verständigt. Mit einer Inflationsrate von aktuell weniger als einem Prozent wird es verfehlt.

Schon um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren, musste die EZB die Zinsen daher noch einmal senken. Das hilft der Wirtschaft, weil unter anderem die Aufwertung des Euro gedämpft würde. Die Stärke der Währung macht derzeit vor allem den Exporteuren im Süden ihr Geschäft kaputt.

Für die deutschen Sparer sind niedrigere Zinsen zwar auf den ersten Blick ein Ärgernis. Doch wenn die Krise wieder eskaliert, weil sich die EZB verweigert, müssten sie erst recht um ihr Geld bangen.