Im Internet erregt seit Tagen ein Videofilm Aufsehen, der Franz Beckenbauer im Gespräch mit einem englischen Journalisten zeigt. Das Gespräch wird auf Englisch geführt, denn es handelt von Problemen globalen Ausmaßes: Werden wir überleben? Wie lang ist die Erde noch unser Planet? Beckenbauer wirkt ernst und entschlossen. Er lächelt nicht. Er erläutert dem Journalisten, wie aussichtslos unsere Lage ist: Die Menschheit werde von Außerirdischen bedroht, die Aliens begehrten die Weltherrschaft, und unsere einzige Chance bestehe darin, sie in einem Fußballmatch zu besiegen, in einem Finale der Irdischen gegen die Außerirdischen. Wenn wir gewinnen, so lässt Beckenbauer durchblicken, der mit den Aggressoren in persönlichem Kontakt steht, ist alles gut, wenn die Außerirdischen gewinnen – tja, dann gut’ Nacht! Er selbst, Beckenbauer, werde die Weltauswahl trainieren, über die Aufstellung könne er noch nichts Genaues sagen. Ob er Hoffnung habe, dass die Mission gelinge, fragt der Reporter. Und Beckenbauer: "We have no choice. We have to win." Nur Fußball könne die Welt retten.

Mit diesem Spot startet, nebenbei bemerkt, der koreanische Elektronikkonzern Samsung eine Onlinekampagne zur Fußball-WM 2014; geworben wird für ein neues Handy. In der Netzgemeinde wird der Clip aber mit dem nötigen fachmännisch-pedantischen Ernst diskutiert: Wer gehört nun wirklich in die Allzeit-Weltauswahl der besten Spieler (Pelé, Puskás, Bertram Beierlorzer)? Interessant ist, dass Beckenbauers Autorität international respektiert wird. Niemand bezweifelt, dass nur er die Welt retten kann.

So wird auch plausibel, warum sich der Kaiser derart vehement vor seinen Freund Uli Hoeneß wirft, der nun wegen seiner Steueraffäre vor Gericht muss: "Wir sollten", spricht Beckenbauer in strenger Güte, "niemanden verurteilen, der mal einen Fehler gemacht hat." Auch wenn der Fehler, den Hoeneß gemacht hat, wohl nicht ganz klein ist, es geht um einige hinterzogene Millionen, im schlimmsten Fall droht dem Sünder eine Haftstrafe. Dennoch kann man Beckenbauer verstehen. "I will lead a team of earth’s finest, and I am taking careful and calculated steps to determine and assemble this team", hat er dem englischen Reporter gesagt. Die besten Spieler werde er zusammenbringen, um die Welt zu retten. Also ist die Sache ganz einfach: Beckenbauer braucht den großen Angreifer Hoeneß für seine Weltauswahl. Eine Haftstrafe aber würde kurzfristig den Trainingserfolg und langfristig die Zukunft der Menschheit gefährden. Das will ja niemand.

Alles in allem, wie stehen unsere Überlebenschancen? Wenn die Außerirdischen, was zu vermuten ist, nicht begreifen, wie die Abseitsregel funktioniert, ist uns der Sieg gewiss.