Es ist kein einfach gewähltes Thema, Fußball und Style. Kniestrümpfe, die rutschen, für erwachsene Männer. Schuhe, die, nach hinten gekippt, zum Watscheln nötigen, lang geschnittene Nylonhöschen, die schönste Oberschenkelkeulen verhüllen. Was sieht man denn vom Fußballspieler, eigentlich nur Kopf und Knie. Wobei das Knie nicht der überzeugendste Teil der männlichen Anatomie ist, selbst fußballmäßig betrachtet, ist das Knie ein Weichei, dauernd kaputt. Der Kopf? Dazu später, fest steht, das Fußball-Outfit hat nicht jene Eleganz, die es notwendig macht, Frauen anzuschnallen, damit es sie auf dem Sitz hält. Zweimal 45 Minuten lang warten, bis sich jemand das Trikot von der Brust reißt! Okay, oft lohnt es sich. In dem Bildband Football Styler gibt es hierfür ein schönes Beispiel, Cristiano Ronaldo, die Arme im 45-Grad-Winkel zum Torso gespreizt, feinste Anatomiekonturierung. Das führt natürlich in direkter und lukrativer Linie zu CR7, seiner neuen Unterhosenlinie, mit der sich Ronaldo jüngst in Madrid auf einem 19 Meter hohen Poster am Palacio de Cibeles präsentierte.

Thomas Lötz hat in seinem Band Football Styler über vier Jahrzehnte untersucht, was der Fußballer der Stilgeschichte zugefügt hat, er zeigt also vor allem Bilder, die nicht vom Platz sind. Auf dem Platz schrumpft die stilbildende Kraft des Fußballers auf ein kleines Rund, den Kopf, genauer: auf Haare, denen deshalb ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Es ist nicht wenig bewegend, zu sehen, wie man versucht, etwas zu erfinden, was der Schweißdusche standhält. Leider fehlt hier Zidane. Aber man verneigt sich vor dem Lockenpferdeschwänzchen von Roberto Baggio, der eingeätzten Löwenfratze von Stefan Effenberg. Dies ist übrigens der große Auftritt für Spieler mit afrikanischem Hintergrund, Zöpfchen, Knötchen et cetera, mutig und kühn.

Außerhalb vom Platz geht natürlich alles. Geld ist ja da. Die Frage ist: Wofür? "Jede Woche ’ne neue Karre kaufen, geht ja auch nicht", sagt ein Nationalspieler, der im Zusammenhang mit diesem ehrlichen, wenn auch nicht gerade stylischen Satz nur anonym zitiert werden möchte. Wie die Bilder zeigen, wurde trotzdem nicht wenig Auto gekauft, die Palette reicht vom Golf bis zur Zuhälterwanne. Der Trend ist also verbraucht, jetzt gehe er zum Anzug, heißt es vernünftigerweise. Das ist schön. Nur: Wer kann Anzug tragen mit dieser Beckenbauerschen Tigerhaftigkeit? Dass Dolce & Gabbana jetzt das Styling des AC Mailand übernommen hat und die Boys in schöne Anzüge steckt, dass Real Madrid gerade mit Versace abgeschlossen hat, ist jedenfalls die richtige Richtung. Ein Versuch von Puma, einteilige Fußballleibchen einzuführen, wurde ja leider ausgebremst.

Man blättert, es ist so, als blättere man sich durch die Filmgeschichte. George Best am Pool, wartend auf Romy. Oder Delon? Uli Hoeneß im Musikantenstadl, in Lederhose. Männer, die sich Easy Rider- mäßig in ihren Maschinen zurücklehnen. Jede Menge Men in Black, gelegentlich auch Weiß. Sonnenbrillen sind, wie bei Glamour-Girls, ein großes Thema, natürlich auch Girls, die bewährtesten aller Geldumwälzer, sie werden gern in der Schattierung Blond genommen.

Günter Netzer, heißt es, sei eine Stilikone. Man sieht Netzer an Ferrari, Netzer neben Empire-Lampe-Imitat, Netzer im Trench, vermutlich eine französische Phase. Netzer mit ewiger Föhnfrisur. Er gibt sich naiv: "Das ist ein Lebensstil gewesen, den sich meine Freundin bei mir gewünscht hat. Ich bin dem gefolgt …" Heldenhaft! Vorsichtig nachgesetzt: "Äußerlichkeiten spielen für mich keine große Rolle. Was wichtig ist, ist ein erstklassiger Charakter …" Tja. Aber muss man deshalb auch noch weiße Socken tragen?

Viele tragen nicht wenig Schmuck. Am Ohr und sonst wo. Wie viel kann der Mann auflegen, ohne unmännlich rüberzukommen? Jérôme Boateng trägt vorsichtshalber Headphones. Löw sieht man mit korrekt eingeschlungenem Schal. Das ist schade, Löw mit seinen engen Strenesse-Hemden wird ja verehrt, gerade in England, wo ein Beckham Maßstäbe gesetzt hat. David Beckham! Ihm ist, of course, das Schlusskapitel gewidmet.

David Beckham gibt, da Cindy Sherman gerade beschäftigt ist, selbst die Stilvarianten von David Beckham, im Sweatshirt oder eisgrauem Suit, in Leder, in tätowiert, in Goldblond, mit Glatze. Er gibt den sexy Fassbender, den tätowierten Mr. Tarzan, den gekohlten Bowie. Beckham wechselt Identitäten wie Klamotten. Er hat, als Obsession, das weibliche Prinzip der irisierenden Moden übernommen, nur Victoria bewahrt ihn davor, als schwul oder Lord Gaga zu gelten. Dagegen wirken Spieler wie Mesut Özil! Darf man sagen: süß?