"Eine Familie zu gründen ist in Genf besser als in Paris"

"In meinem Team arbeiten zehn Leute – sie haben acht verschiedene Nationalitäten! Das ist eine unglaubliche Bereicherung. Denn bei Procter & Gamble müssen wir Produkte entwickeln, die die Menschen überall auf der Welt zufriedenstellen. Ich bin für das globale Design einer unserer Shampoo-Marken verantwortlich. Dabei profitiere ich von mei- nem Marketing-Studium in Wien, aber P&G ist im Grunde auch eine Uni. Die meisten werden hier nämlich gleich nach dem Studium angestellt und dann im Unternehmen weitergebildet.

Vor drei Jahren bin ich mit meinem Mann von Paris nach Genf gezogen. Wir wollten eine Familie gründen, da war Genf als Kleinstadt mit Natur und Bergen drumherum einfach viel attraktiver. Heute ist unser Sohn zweieinhalb, und wir bereuen die Entscheidung nicht. Mein Arbeitgeber unterstützt uns auch bei vielen Fragen, was die Kinderbetreuung und später die Wahl der richtigen Schule angeht."

Katharina Loksa, 34, ist Slowakin und Brand Manager bei Procter & Gamble

"Ständig gibt es Abschiede und neue Begegnungen"

"Ich bin Beschleunigungsexpertin. Für meine Doktorarbeit untersuche ich die Strahlqualität des Protonenstrahls im Teilchenbeschleuniger am Europäischen Kernforschungszentrum Cern. Mir ist es wichtig, nicht nur Kontakt zu den Wissenschaftlern hier am Standort zu haben, sondern auch andere Leute kennenzulernen, die nicht Forscher sind. Deswegen wohne ich in einer WG in der Innenstadt zusammen mit einer Finnin. Die meisten Einheimischen wollen nicht viel mit Ausländern zu tun haben und bevorzugen es, dass überall Französisch gesprochen wird. Mein Französisch ist schon ganz gut, auch wenn mir Englisch leichter fällt.

Deutsche Freunde habe ich in Genf nicht so viele – mein Freundeskreis ist sehr international. Er hat sich in den eineinhalb Jahren hier aber extrem verändert. Das permanente Kommen und Gehen ist schon eine Herausforderung: Ständig gibt es Abschiede, dafür aber auch ständig neue Begegnungen!"

Maria Kuhn, 26, kommt aus Deutschland und arbeitet als Physikerin am Cern

"In meinem Dorf schaut mich niemand schief an"

"In der Welthandelsorganisation arbeite ich als Jurist in der Abteilung für Immaterialgüterrechte. Ich beschäftige mich insbesondere mit Patentrechten und dem Zugang zu Medikamenten.

Dafür arbeite ich eng mit anderen internationalen Organisationen zusammen, von denen viele auch in Genf sitzen. Außerdem organisiere ich Konferenzen und berate unsere Mitgliedsländer. Davor habe ich in Brüssel bei der Europäischen Kommission gearbeitet.

Anders als in Belgien gehen die unterschiedlichen Sprachgemeinschaften in der Schweiz harmonisch miteinander um. Mit meiner Familie lebe ich in einem kleinen Dorf außerhalb von Genf. Dort schaut mich niemand schief an, weil ich Ausländer bin – die sind daran gewöhnt. Meine Zwillinge werde ich später wahrscheinlich in die Dorfschule schicken und nicht in die Internationale Schule. Schließlich ist das Schweizer Bildungssystem gut!"

Roger Kampf, 52, ist als Jurist bei der WTO angestellt und kommt aus Deutschland