Mödlareuth (Bayern und Thüringen)

Einwohnerzahl 1989/heute: 55/51

So geht’s dem Ort: Er galt als "Little Berlin", denn die innerdeutsche Grenze verlief mitten durchs Dorf. Damals gab es hier weder öffentliche Verkehrsmittel noch eine Kneipe. Heute ist Mödlareuth immer noch geteilt – in eine bayerische und eine thüringische Hälfte; aber davon spüren die Bewohner kaum etwas. Gemeinsam haben Ost- und Westdeutsche ein Dorfgemeinschaftshaus gebaut. Nun fahren auch massenweise Busse ins Dorf – Reisebusse, die vor dem Deutsch-Deutschen Museum parken. Auf einen Bewohner kommen knapp 1500 Besucher im Jahr. Die lassen sich gern vor dem originalen Überwachungsturm fotografieren, das sieht dann so aus, als käme ein Grenzsoldat gleich anmarschiert. Und später essen die Touristen zum Beispiel die "Grenzgängerplatte" in der Gaststätte, die es hier nun auch gibt.

Das sagt Bürgermeister Klaus Grünzner (CSU):   "Wir haben geschafft, was ganz Deutschland noch nicht ganz geschafft hat: Wir sind wirklich zusammengewachsen. Manchmal besuchen uns Südkoreaner. Die weinen, weil unsere Einheit vollzogen ist."

Top-Promibesuch:  Helmut Kohl – im Mai 2013 wurde eine Betonstele für den Altkanzler eingeweiht.

Jüngste große Schlagzeile: "Helmut Kohl geehrt – 'Sie sind ein Glücksfall für die deutsche Geschichte'" (Bild)

Herrnburg (Mecklenburg-Vorpommern)

Einwohnerzahl 1989/heute: 495/3249

So geht’s dem Ort: Früher hatte Herrnburg einen Grenzbahnhof und einen Friedhof. Den zu besuchen war für Bewohner der Nachbargemeinden schwierig, denn der Ort war Sperrgebiet. Im früheren Todesstreifen ist Mecklenburg-Vorpommerns größtes zusammenhängendes Neubaugebiet entstanden: Tausend neue Wohnungen, zwei Kitas, eine Grundschule, ein Haus für Betreutes Wohnen, mehrere Arztpraxen und ein Einkaufszentrum. In Herrnburg leben mehr als sechsmal so viele Bewohner wie noch vor 25 Jahren. Viele von ihnen arbeiten im nur zehn Autominuten entfernten Lübeck. Es gibt heute so viele Pendler und so wenige Arbeitslose (101 insgesamt), dass die Freiwillige Feuerwehr Mühe hat, bei einem Einsatz schnell genug Helfer herbeizutelefonieren.

Das sagt Bürgermeister Erhard Huzel (CDU): "Wir sind die großen Gewinner der Einheit. Das Einzige, was unsere Wohlstandsidylle ein ganz kleines bisschen stört, ist das Autobahnrauschen."

Top-Promibesuch: Lorenz Caffier, Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, 2011

Jüngste große Schlagzeile: "Es ist eine total ängstliche Stimmung hier im Ort – Polizei bildet Sonderkommission nach dem Mord an einer Joggerin bei Herrnburg" (Die Welt)

Helmstedt (Niedersachsen)

Einwohnerzahl 1989/heute: 25 885/23 528

So geht’s der Stadt: Sie sehnt sich nach den alten Zeiten zurück. Nicht nach denen, als hier noch der größte innerdeutsche Grenzübergang lag; als Amerikaner, Briten und Franzosen die Stadt zu einer überaus internationalen machten. Vielmehr schwärmt Helmstedt von der Zeit, als es noch eine Universitätsstadt war. Eine von Bedeutung, an der Genies wie der Mathematiker Carl Friedrich Gauß lehrten. 1810 wurde die dortige Hochschule geschlossen. Erst nach dem Mauerfall bekam Helmstedt seinen Stolz zurück. Zwar gibt es hier noch keine eigenständige Hochschule, aber jedes Jahr Universitätstage, etwa mit Nobelpreisträgerin Herta Müller. Und ins Renaissance-Gebäude der alten Uni sind wieder Studenten eingezogen. Dort ist nun immerhin eine Außenstelle der Universität Magdeburg.

Das sagt Bürgermeister Wittich Schobert (CDU): "Wir sind ins Zentrum Europas gerückt, wir haben unser Umland zurück. Und jetzt kaufen die Menschen aus Sachsen-Anhalt hier kräftig ein."

Top-Promibesuch: Horst Köhler 2007, damals Bundespräsident, anlässlich der Universitätstage

Jüngste große Schlagzeile: "Die Mibrag baggert jetzt auch im Westen – Braunkohle-Konzern kauft Revier in Helmstedt und Kraftwerk Buschhaus" (SuperIllu)

Salzwedel (Sachsen-Anhalt)

Einwohnerzahl 1989/heute: 19 958/24 652

So geht’s der Stadt: Salzwedel ist riesig geworden. Die Stadtfläche ist – nach allerlei Eingemeindungen – nun größer als die von Frankfurt (Main). Mit dem Unterschied, dass dort achtundzwanzig Mal so viele Menschen leben wie hier, in dem am dünnsten besiedelten Landkreis Sachsen-Anhalts. Nach und nach verschwanden die Großbetriebe. Stattdessen kamen mittelständische Firmen. Eine der größten verwandelt alten Gummi in neue Sportplatzböden. Um Touristen in die Fachwerkstadt zu locken, hat man sich für eine andere Strategie entschieden als in den meisten anderen alten Grenzorten: Statt mit den Spuren der bitteren deutsch-deutschen Vergangenheit versucht man, Besucher mit Süßem zu locken – vor zwei Jahren ließ sich Salzwedel den Begriff "Baumkuchenstadt" patentieren.

Das sagt Oberbürgermeisterin Sabine Danicke (parteilos): "Die Kohlehaufen sind weg. Unsere Stadt ist heute schön. Aber eine Autobahn fehlt uns."

Top-Promibesuch: Im Ort ist man sich uneins: War es Joe Cocker, der 2005 ein Konzert gab? Oder doch Angela Merkel, die hier nicht sang, aber viel Verständnis für Nöte der Landbevölkerung zeigte.

Jüngste große Schlagzeile: "Schande an der Wand – Unbekannte verunstalten die Stadt Salzwedel mit rechtsradikalen Schmierereien" (Süddeutsche Zeitung)