Der Mann ist in Nordrhein-Westfalen geboren, gilt politisch als Niedersachse und hat bei der jüngsten Bundestagswahl als einziger Sozialdemokrat ein Direktmandat im Osten gewonnen, im Wahlkreis Potsdam-Mittelmark I in Brandenburg. Aber egal, wo man ihn nun verortet, eines ist klar: Frank Walter Steinmeier wäre besser eine Frau.

Der Wähler wünscht sich Minister, die nach Kompetenz und Charakter ausgesucht werden. In der politischen Realität begegnet ihm aber stets die Proporz-Dreifaltigkeit aus Region, Geschlecht und Lager. Bei der Personalauswahl für den Kabinettstisch ist nicht entscheidend, was jemand kann und wie er auftritt, sondern woher jemand kommt, ob er Mann oder Frau ist und wo er oder sie in der eigenen Partei angedockt hat, sprich: wem er oder sie nützt. Dieses Mal aber ähnelt die Besetzung des Kabinetts einer Gleichung, die nicht aufgeht. Jeder Versuch, diese Gleichung zu lösen, führt in ein Labyrinth, aus dem es keinen Ausweg gibt.

Voraussichtlich 16 Ministerposten sind zu vergeben: sieben für die CDU, sechs für die SPD, drei für die CSU. Die SPD will ihre Ressorts gendergerecht verteilen. In der internen Machtverteilung zählen die Positionen des Fraktionsvorsitzenden und des parlamentarischen Geschäftsführers mit. Acht Jobs sind also zu haben, vier für Frauen. Gesetzt sind, es ist ja die SPD, drei Männer: Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Thomas Oppermann.

Steinmeier, der einstige Schatten Gerhard Schröders, zählt SPD-intern als Hannoveraner. In einer Partei gelten zwar Regeln – nicht aber für den Chef. Gabriel hat seinen niedersächsischen Männerblock nominiert – er selbst ist in Goslar, Oppermann in Göttingen zu Hause – und anschließend die anderen großen Landesverbände aufgerufen, Frauen zu nominieren. So macht man sich keine Freunde. Schon gar nicht in NRW.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Als Ministerinnen kommen vor allem Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern, Familie) und Andrea Nahles (Rheinland-Pfalz, Diverses) infrage. Zieht Oppermann ins Kabinett ein, soll ihm Eva Högl im Amt des parlamentarischen Geschäftsführers folgen. Högl ist zwar eine Frau, kommt aber aus Berlin und ist Netzwerkerin, gehört also nicht zum linken Lager. Aus NRW und vom linken Flügel wäre besser. Von der bis dato einzigen Linken im Personaltableau, Andrea Nahles, haben allerdings zuletzt viele gar nicht mehr gewusst, dass sie eine Linke ist.

Hannelore Kraft, NRW-Ministerpräsidentin, hat kürzlich einen mittelgroßen Machtkampf mit Gabriel verloren. Sie galt als Gegnerin der Großen Koalition. Jetzt muss sie beweisen, dass sie noch Einfluss hat – und einen Mann oder eine Frau am Kabinettstisch platzieren. Aber wen? Barbara Hendricks und Michael Groschek werden als Minister von Krafts Gnaden gehandelt. Die SPD-Schatzmeisterin möchte zwar unbedingt, Gabriel will sie aber partout nicht haben. Und das Verkehrsressort, das der zuständige NRW-Landesminister übernehmen könnte, will die CSU am liebsten selbst behalten. Hilfreich für die innerparteiliche Proporz-Gerechtigkeit wäre es also, wenn Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen umgehend miteinander fusionierten, Oppermann beim konservativen Seeheimer Kreis aus- und der Parlamentarischen Linken beiträte – und sich Steinmeier einer Geschlechtsumwandlung unterzöge. Was zwei typische SPD-Fragen aufwirft: Wo ist der Ausweg aus diesem Labyrinth? Und: Warum gibt es nicht längst eine Transgender-Quote?