In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten überall in Deutschland die Synagogen, wurden jüdische Geschäfte geplündert und verwüstet, Juden in ihren Wohnungen heimgesucht und misshandelt, Tausende von ihnen verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Eine solche Orgie antisemitischer Gewalt hatte es seit dem Mittelalter nicht mehr gegeben. Die Nachrichten erreichten den Journalisten und Publizisten Konrad Heiden in seinem Pariser Exil. Er sammelte Aussagen von Betroffenen, studierte Korrespondentenberichte englischer Zeitungen und schrieb ein Buch, das 1939 in den Vereinigten Staaten, Frankreich und Schweden herauskam. Erst jetzt, 75 Jahre nach der Schreckensnacht, erscheint eine deutsche Ausgabe – eine verlegerische Tat, denn es handelt sich um ein zeitgenössisches Dokument von Rang. Heiden entlarvte schon damals die Behauptung der Nazis, in den Ausschreitungen habe sich der "spontane Volkszorn" entladen, als Propagandalüge. Er zog den Schluss, dass die SA-Trupps und ihre Helfer nach lange vorbereitetem Plan vorgegangen waren, die Mehrheit der Bevölkerung sich jedoch passiv bis ablehnend verhalten hatte. Allerdings machte der Autor auch darauf aufmerksam, dass nur ganz wenige Deutsche den Mut zu öffentlichem Protest aufgebracht hatten. Und er erkannte bereits, dass mit dem Pogrom der Massenmord vorstellbar geworden war. Dem hellsichtigen Bericht hat Markus Roth eine instruktive biografische Skizze hinzugefügt, die Leben und Werk Konrad Heidens, des heute vergessenen brillanten Journalisten und ersten Hitler-Biografen, würdigt.