Was ist nicht schon alles versucht worden, um das Gesundheitssystem in Deutschland besser zu machen. Wobei: Ist "besser" das richtige Wort? Ging es nicht immer vor allem darum, die Kosten zu senken?

Gerade gibt es wieder einen Anlauf zur Versparbesserung: Die Koalitionsgespräche laufen, und der SPD-Verhandlungsführer für den Bereich Gesundheit, Karl Lauterbach, hat der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorab schon mal gesagt, er wolle Kliniken in Deutschland schließen. Es gebe teils eine Überversorgung, vor allem in den Städten. "Durch eine Reduzierung der Zahl der Kliniken würden wir die Versorgung sicher nicht verschlechtern", sagte er.

Man kann seine Forderung sogar verstehen, denn Deutschland ist im internationalen Vergleich sehr gut ausgestattet: 8,3 Klinikbetten gibt es hierzulande pro 1.000 Einwohner, nur Japan und Südkorea haben laut OECD noch mehr.

Jetzt bietet sich den beiden großen Parteien eine Chance, die vielleicht nie wieder kommt: Mit ihrer satten Mehrheit im Bundestag könnten sie die mächtigen Lobbygruppen in die Schranken weisen und im sperrigen Gesundheitssystem endlich vernünftige Reformen durchsetzen. Und zwar so, dass es nicht nur billiger wird, sondern auch besser — für die Krankenhäuser und vor allem für die Patienten.

Beginnen sollte man mit einer Evaluation der Kliniken: Welche Häuser leisten gute Arbeit und welche nicht? Wie viele Kliniken werden überhaupt gebraucht und wo? Und wie kann man sie finanzieren?

Daten, aus denen sich die Qualität der Krankenhäuser herauslesen lässt, gibt es eigentlich. Die Krankenkassen wissen natürlich, welche Kliniken ihren Patienten eine Hüftprothese so gut einsetzen, dass sie jahrzehntelang hält. Oder wo Geburten besonders sicher sind.

Bei dieser Evaluierung würde sicher das eine oder andere Ergebnis überraschen. So würde etwa manch kleine Klinik als notwendig erachtet werden, deren Schließung schon bevorstand – weil sie qualitativ hochwertige Arbeit leistet.

Allerdings wird es auch Krankenhäuser geben, die ihren Betrieb einstellen müssen. Das ist schmerzhaft für die Menschen vor Ort, weil ihnen eine Versorgung in der Nähe genommen wird. Zu ihrem Nachteil wäre es aber nicht unbedingt: Die Bewertung könnte dafür sorgen, dass Häuser nur Behandlungen anbieten, die sie perfekt beherrschen. Der Einbau von Hüftprothesen etwa gehört in spezialisierte Zentren. Für den Bereich der Krebstherapie gilt das erst recht.

Eines aber sollte man vermeiden: Kliniken zu schließen, ohne mit den betroffenen Menschen zu sprechen. Wenn man gut argumentiert, nämlich mit der medizinischen Qualität, werden viele Bürger akzeptieren, dass der Weg in die Klinik weiter werden kann.

Es ist eine seltene Chance. CDU und SPD müssen sie nutzen.