Die rosa Revolution geht auch an Chanel nicht vorüber. © Peter Langer

Ein Wintermantel ist für gewöhnlich dunkel, weil ja auch der Winter dunkel ist. Helle Farben gehören in den Sommer, weil der Sommer ja die helle Jahreszeit ist und deswegen die Garderobe auch hell sein soll, so stellt man sich das jedenfalls vor. Nun ist offenbar etwas durcheinandergeraten: Als jetzt in Mailand und Paris die Mode für Frühling und Sommer des nächsten Jahres gezeigt wurde, ging es wenig farbig zu. Marc Jacobs verarbeitete in seiner letzten Kollektion für Louis Vuitton sogar jede Menge Schwarz. Der gerade angebrochene Herbst hingegen wird derweil in Rosa ausgeschmückt – ja, Rosa. So gehört zur Pre-Fall-Kollektion von Phoebe Philo für Céline ein Mantel in Cremerosa. Man kann sich die düstere Jahreszeit also bestens versüßen, indem man aussieht, als wäre man einer Macarons-Packung entsprungen.

Auch bei Carven und bei Chanel wurde der Herbst in rosa Mänteln begrüßt. Wobei sich die Frage aufdrängt: Rosa? Ist das nicht die Farbe des ungefährlichen Weibchens? Der Cupcakes backenden Barbie? Der Frau, die immer noch ein Mädchen sein will? Und mit der die Céline-Kundin keinesfalls verwechselt werden möchte?

Dabei war Rosa keineswegs immer so eindeutig markiert. Anfang des 20. Jahrhunderts variierte die Zuordnung von Pink und Blau zum jeweiligen Geschlecht noch stark. Im Rokoko ebenso wie im elisabethanischen England wurde Rosa sogar gerne von Männern getragen – und von ihren Söhnen.

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In einer Ausgabe der Zeitschrift Earnshaw’s Infants’ Department von 1918 heißt es: "Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Jungen und Blau für Mädchen." Denn Rosa war der kräftigere Farbton. Man sah darin das abgeschwächte Rot, das wiederum die Abschwächung des in Männerblut getränkten Rockes war, mit dem der Held aus der Schlacht heimkehrte. Blau hingegen hatte eine lange Tradition als Mädchenfarbe, es galt als fromm, weil Blau mit dem Mantel der Jungfrau Maria assoziiert wurde. Erst in den 1950er Jahren setzte sich Rosa dann als Farbe für Frauen und Mädchen durch.

Man darf es sich also nicht zu leicht machen mit der Zuordnung von Farben und Geschlechtern. Die Bedeutungen wechseln. Und vielleicht steht der rosa Mantel von Céline ja auch etwas abgeschwächt für das in Männerblut getränkte Kleid der modernen Amazone.