Er war wohl der Erste, dem man für seinen Judenhass ein Denkmal setzte. An der Theodor-Fritsch-Allee (heute Lindenthaler Allee) in Berlin-Zehlendorf weihten die Nazis 1935 "dem völkischen Vorkämpfer" Theodor Fritsch eine Skulptur: Das Werk des Bildhauers Arthur Wellmann zeigte einen Germanen, der mit einem Hammer ein drachenartiges Untier erschlägt.

Fritsch zählt zu dem kleinen Kreis von Männern, welche die Nationalsozialisten offen als Vorläufer und Wegbereiter anerkannten. Sein Handbuch der Judenfrage wollte Hitler bereits "in früher Jugend in Wien eingehend studiert" haben, und Stürmer-Herausgeber Julius Streicher beschrieb die Lektüre des Handbuchs als Erweckungserlebnis, das ihn schlagartig zu einem "Wissenden" gemacht habe.

Theodor Fritsch hatte zeitlebens nur eine große Mission. Es war, wie er 1884 bekannte, "die Mission der Menschen, den Juden zu zertreten". Er gehörte zu jenen Organisatoren und Netzwerkern des radikalen und eliminatorischen Antisemitismus in Deutschland, ohne die der Holocaust nicht möglich gewesen wäre.

Er stammte aus dem preußischen Teil Sachsens, ein Bauernkind, geboren 1852 in Wiesenena im Kreis Delitzsch. Er besuchte in Delitzsch die Real-, in Halle die Gewerbeschule, wo er den Beruf des Gießers und Maschinenbauers lernte. An der Berliner Gewerbeakademie nahm er ein technisches Studium auf, und 1875 fand er Arbeit in einer auf Mühlen spezialisierten Berliner Maschinenfabrik.

Noch wies nichts auf seine Mission hin. Er ging nach Leipzig und wurde Inhaber eines mühlentechnischen Büros mit angeschlossenem Verlag, in dem er von 1880 an das Kleine Mühlen Journal (später Deutscher Müller) herausgab und redigierte – ein Unternehmen, das ihm langfristig den Unterhalt sicherte. Spät erst, 1892, heiratete er: Pauline Zilling aus Solingen; aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.

Schon lange zuvor war Theodor Fritsch auf die "Judenfrage" gestoßen. Die 1879 erschienene Schrift des liberalen Hamburger Journalisten Wilhelm Marr Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum, so erinnerte er sich später, habe ihm die Augen geöffnet. Fritsch unterstützte Marr bei der Organisierung der Antisemitenliga, die Marr ebenfalls 1879 in Berlin gegründet hatte. Sie sollte den "Rassenkampf" befeuern.

Theodor Fritsch

Doch bald wollte Fritsch den Kampf gegen die Juden verständlicher begründen, als dies bislang geschehen sei. Ähnlich wie schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Mecklenburger Hassprediger Hartwig von Hundt-Radowsky mit seinem Judenspiegel (1819) zielte auch Fritsch in die Breite und wollte die "blöde Masse rankriegen". Seine erste Schrift brachte er Ende 1881 pseudonym unter dem Titel Altdeutsch-Antisemitische Kernsprüche heraus, und von 1883 an publizierte er eine Serie von vierzig Flugschriften: Brennende Fragen.

Im September 1882 hatte er mit etwa zweihundert Personen, unter ihnen profilierte Antisemiten wie Adolf Stoecker, Max Liebermann von Sonnenberg, Ernst Schmeitzner und Ernst Henrici, in Dresden am Ersten Internationalen Antijüdischen Kongress teilgenommen. Es ging darum, die Bewegung zu koordinieren, heraus kam aber nur ein Manifest, das in gewohnter Manier der "fremden jüdischen Rasse" vorwarf, die Weltherrschaft anzustreben.

Angesichts der Streitereien im Kreis der Antisemiten gründete Fritsch im Juni 1884 in Leipzig einen Reform-Verein. Im Jahr darauf übernahm er von dem insolventen Verleger Schmeitzner die Rechte an dessen Schriften und gab die Antisemitische Correspondenz heraus. Sein Verlag entwickelte sich zum Koordinationszentrum der Bewegung. Vom Beginn des Jahres 1886 an erschien eine neue Flugblattreihe: Wie lösen wir die Judenfrage? Und unermüdlich organisierte er weiter: Mit dem Marburger Bibliothekar und späteren Bauernagitator Otto Böckel gründete Fritsch 1886 die Deutsche Antisemitische Vereinigung als Grundlage für eine "germanische Allianz gegen die Juden".

Die Antisemitische Correspondenz wurde 1890 als Deutsch-Soziale Blätter das Zentralorgan der Deutsch-Sozialen Partei. Seit dem Antisemitentag in Bochum vom Juni 1889 hatte Fritsch die Gründung dieser Partei vorangetrieben, jetzt trat er in deren Führung ein. Für die Reichstagswahlen kandidierte er 1890 in Leipzig, scheiterte aber mit acht Prozent der Stimmen kläglich.