Der Fisch, er stinkt vom Kopf her. Und so ist für viele Kommentatoren auch im Fall Mörgeli, der die Universität Zürich noch immer beschäftigt, die Sache klar: Schuld am Schlamassel tragen die Uni-Leitung und ihr Rektor Andreas Fischer. Er ließ den Historiker und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli als Kurator am Medizinhistorischen Museum schalten und walten, ohne seine Leistungen zu kontrollieren. Er erstattete Strafanzeige gegen unbekannt, um herauszufinden, wer der Presse einen Bericht zugespielt hatte, der schließlich zur Entlassung des Titularprofessors führte. Hierzu ließ Fischer alle E-Mail-Konten der Universität nach Pressekontakten durchforsten. Ja, er feuerte eine verdächtige Professorin, ohne dass man ihr eine Straftat nachweisen konnte, was einen internationalen Proteststurm auslöste.

Nun ist Andreas Fischer tatsächlich kein guter Uni-Rektor – und vor allem kein glänzender Kommunikator. Allerdings ist er ebenso ein Opfer des Systems. Ein Opfer der modernen Uni. Seit die Schweizer Universitäten Ende der neunziger Jahre entpolitisiert und in die Autonomie entlassen wurden, werden sie wie Unternehmen geführt. Allerdings nicht von Führungskräften, die dafür ausgebildet sind, einen Großbetrieb mit mehreren Tausend Mitarbeitern auf Kurs zu halten. Sondern von Laien. Die Uni-Professoren wählen ihren Häuptling aus den eigenen Reihen. So hat an der Uni Basel ein Ägyptologe das Sagen, in Bern ein Infektiologe. Und Rektor Fischer? Er war Professor für Anglistik. Einem wie ihm liegt das altenglische Epos Beowulf näher als das neudeutsche management by delegation. Also stellt sich im Fall Mörgeli, der zum Fall Fischer geworden ist, die grundsätzliche Frage: Wie sollen die Schweizer Unis in Zukunft geführt werden? Und von wem?