Der Name des legendären Automobildesigners Giacinto Ghia aus Turin stellt deutsche Zungen vor eine anspruchsvolle Aufgabe. Korrekt ausgesprochen wird er: Dschatschinto Gia. Das Auto, das die Carrozzeria Ghia in den fünfziger Jahren entwarf, wurde jedoch nicht in Italien gebaut, sondern bei Wilhelm Karmann im niedersächsischen Osnabrück. Der Name wird in Deutschland landläufig Karmann Dschia ausgesprochen. Korrekt wäre Gia. Karmann wurde damit ebenfalls zur Legende. Das Cabrio basiert auf der schlichten Idee, einen VW-Käfer in eine flache, elegante Karosserie zu kleiden. Rund 450.000 Stück wurden gebaut. Ein Stück Wirtschaftswundergeschichte. Heute sind die schnuckeligen Flundern kaum noch auf der Straße zu sehen. Wer einen Karmann Ghia besitzt, holt ihn nur bei Kaiserwetter aus der Garage.

Ebendas haben wir getan, als wir zur Sonnenbichl Classic antreten, einer Oldtimerrallye durch die Zugspitzregion. Start und Ziel ist das Grand Hotel Sonnenbichl in Garmisch-Partenkirchen. Auf dessen Parkplatz stehen, wie Diven beim Fotocall: Mercedes Benz Pagode, Ford Mustang, Chevrolet Camaro. Dazwischen wirkt der kleine Karmann mit seinen Kulleraugen wie ein Welpe. Mich erinnert er außerdem an das schönste Auto, das ich jemals mein eigen nannte: ein 72er Käfer Cabrio. Als ich das traktorradgroße Lenkrad berühre und sich der 4-Zylinder-Boxer-Motor freigurgelt, bekomme ich Gänsehaut.

Kopftuch, Sonnenbrille. Los geht’s! Der Tacho reicht bis 90. Damit sind Meilen gemeint, denn unser Exemplar hat sein erstes Leben in den USA verbracht. Doch für ein 44 Jahre altes Auto mit 44 PS sind auch 90 km/h eine Herausforderung. Schon an der ersten Steigung in Richtung Kochelsee erinnere ich mich, wie ich früher auf Alpenpässen von Lkw überholt wurde, ohne Windschott, elektrisches Dach oder Halswärmgebläse. Ja, liebe Kinder, es war eine romantische Zeit.

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Die Rallye ist eine Lektion in Langsamkeit. Eine Aufforderung, auch mal nach rechts und links zu schauen. Neben der kundigen Streckenführung durch die Fototapetenlandschaft um die Zugspitze finden wir im Roadbook Fragen. Etwa: Wie heißt das Schloss, das Sie jetzt sehen? "Linderhof." Zum Mittagessen ist man im Ziel. Der Welpe und ich belegen den zweiten Platz hinter dem Team im Mercedes-Benz 280 SL.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 32 kW (44 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 28 s
Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
CO₂-Emission: 260 g/km
Durchschnittsverbrauch: 11 Liter,
zu mieten über www.mietoldtimer.de, ab 180 Euro für 5 Stunden

Margit Stoffels ist Mitarbeiterin beim ZEITmagazin.