Interview vor Publikum bei der ZEITmagazin-Modekonferenz im Privatmuseum me Collectors Room in Berlin-Mitte: etwa 200 Zuhörer. Beim Thema Mode ist der Künstler Cyprien Gaillard ein origineller Gesprächspartner, weil ihm zu diesem Thema, so hat er das vor dem Gespräch klargestellt, praktisch nichts einfällt (wir werden also über viele Dinge, bloß kaum über Mode reden). Er trägt Jeanshemd, Jeans, rote Stoffturnschuhe. Er schlägt seine Beine übereinander: Eine bezaubernde Junge-Männer-Nervosität steht ihm im Gesicht. Wer ist der Typ da oben auf der Bühne? In aller Kürze: Wer in den letzten Jahren in Berlin öfter mal ein Bier trinken war, dem ist der Name Cyprien Gaillard praktisch automatisch einmal zu Ohren gekommen, oder er ist dem Künstler selber mal über den Weg gelaufen. Gaillard, 33, in Paris und San Francisco aufgewachsen, lebt heute in New York und unterhält eine Zweitwohnung in Berlin. Seine Kunst gilt dem Verhältnis von Architektur und Natur, er ist von antiken Gebäuden, sozialem Wohnungsbau, von Gebäudeabrissen und -sprengungen fasziniert (die Kritik zählt Gaillard zum Genre der Land- oder Field-Artists). Das Tolle an diesem Künstler ist, dass es absolut ausreichen würde, wenn seine Kunst nur mittelgut wäre (der Künstler selber sieht doch schon aufregend genug aus und ist sich selber Kunstwerk genug): Das noch junge Werk Cyprien Gaillards muss man sich allerdings als ein wunderbar tiefgründiges und komplexes Werk vorstellen (unvergessen ist die Pyramide aus Efes-Bier-Sixpacks, die er vor zwei Jahren in den Berliner Kunst-Werken ausstellte). Wir wollen dieses Mal, so ist das mit ihm besprochen, ein möglichst schnelles und flaches Gespräch führen: bloß kein Tiefgang! Das Frage-Antwort-Spiel soll, in der Hauptsache, möglichst schnell vorbeigehen. Ein freundlich interessiertes Publikum hat sich eingefunden. Der Künstler hat – sympathische Sache –, obwohl es erst ein Uhr mittags ist, schon drei kleine Bier getrunken, um für das Spiel in Stimmung zu kommen.

1 Gold oder Silber?

Ich mag Bronze.

2 Hüte oder Kappen?

Hüte.

3 Mädchen oder Frauen?

Beide. Moment, doch anders: keine von beiden.

4 Efes oder Löwenbräu?

Efes.

5 Pergamon- oder Guggenheim-Museum?

Pergamon.

6 Hochkultur oder Populärkultur?

Beide.

7 New York oder Berlin?

Berlin.

8 Fünf Uhr morgens oder fünf Uhr nachmittags?

Fünf Uhr morgens. Vor allem im Sommer. Gutes Licht.

9 Wie geht’s dem Jetlag?

Ich habe keinen Jetlag mehr.

10 Wie viele Biere hatten Sie vor diesem Interview?

Dreieinhalb kleine Bier.

11 Was ist gestern Nacht mit Ihrem Handy passiert?

Es gibt dieses Gesetz, dass Dinge auf der falschen Seite landen, wenn sie hinfallen. Mein Handy ist mir gestern Nacht auf die Straße gefallen, auf dem Bildschirm gelandet und zerbrochen. Mir kam das auch wie ein kleiner Sieg gegen die Technik vor.