Flatternde Nerven, rasender Herzschlag, Schweißausbrüche, Brüllattacken – dafür, dass Männer das rationale Geschlecht sind, ist manchmal ganz schön was los. Jeder kennt es, man schlendert in ein Büro, sagt etwas Inkriminierendes wie "Übrigens" oder "Tja", schon: Kläff, kläff, kläff! Dafür muss man Verständnis haben. So viel an männlicher Gefühlsregung muss im Alltag an die Kandare, nicht jeder spielt ja nach Feierabend Fußball und kann impulshaft und böse gegen Knöchel treten, sich am Boden wälzen wie ein Fünfjähriger, dessen Playstation klemmt, brüllen, mit den Armen rudern wie ein außer Kontrolle geratener Offshore-Windpark – außerhalb vom Platz wirkt das ja hysterisch, also weiblich. Es sei denn, der Mann ist am Netz.

Das Internet ist die emotionale Gummizelle für Männer. Neulich berichtete die Kollegin einer anderen Zeitung, dass sie etwas über Surfbretter geschrieben und in diesem Kontext Männer erwähnt hatte, okay, in einer Tonlage, die wohl nicht submissiv war – Tausende von Männern drohten ihr mit Dingen, die man sonst nur in Amnesty-International-Berichten kennt, etwa vom Krieg im Kongo. Auch diese Kolumne, die doch um Verständnis für Männer ringt, wird im Netz gelegentlich blindwütig unter Beschuss genommen, von Männern, denen es schon Tränen der Empörung in die Augen treibt, wenn eine Frau ungebeten das Wort "Mann" in den Mund nimmt. Solche Typen nennen sich "R4mbo" oder "Metall-Hahn". Einer postete, die Kolumne sei noch bescheuerter als das Blog von Sibylle Berg. Man soll sich ja nicht verteidigen. Es wurde auch angemerkt, typischerweise von weiblicher Seite, von "Rosemariechen", mein Lippenstift auf dem Autorenfoto von ZEIT ONLINE sei – "bäh".

Was könnte an Rot wohl "bäh" sein? Um den Dampf rauszunehmen – vielleicht sollten die Rot-Sensitiven das direkt mit der entsprechenden Firma klären. Es handelt sich bei dem beanstandeten Rot um Rouge Allure von Chanel, Nr. 75, "Laque". (An alle Rot-Seher: Vorsicht! Dieser Herbst wurde zur Kirschrot-Saison erklärt. Wer sich beschweren möchte: Besonders rot scheinen mir Rouge Pur Couture No. 19 von Yves Saint Laurent zu sein, dann die Rot-Palette von Dior, natürlich der neue Essie-Nagellack "Rubis Profond", leider schon ausverkauft.)

Man soll keinen Gin ins Feuer gießen, wie Queen Elizabeth, die alte Diplomatin, twittern würde. Ich habe mir diese Woche vorgenommen, mal drei Dinge über Männer zu sagen, die ausschließlich nett und lobend sind. Los geht’s.

Erstens: fällt mir immer angenehm auf – dass ich keinen Mann kenne, der so blöd wäre, seinen Unterarm im spitzen Winkel abzuspreizen, um ihn als Werbehaken für seine teure Handtasche zu missbrauchen. Nie! Habe ich schon mal erwähnt? Dass Männer ihre Taschen einfach am Henkel packen? Das kann man nicht oft genug lobend erwähnen!

Zweitens: Wirklich noch nie habe ich einen Mann erwischt, der etwa in der S-Bahn oder der U-Bahn oder einem Café auf ein Kind einredet, wie Mütter es tun, bis man sie erdrosseln möchte: "Schatzilein, möchtest du ein Kekslein?" Dieses hochgetunte Megafonsäuseln, "Elias, nein, nicht gegen das Knie der Tante treten!", das alle Erwachsenenkonversationen Überzwitschernde, jede Art von Lektüre und Nachsinnen verunmöglichende vokale Gespreize, "Süße, schläfst du schon, oder willst du den Schnulli?" – warum nur?! Weil die deutsche Mutter sich bemüßigt fühlt, der Welt mitzuteilen, wie sie sich gerade aufopfert. Für Kinder mit Hörschäden! Dagegen kann man sagen, dass immer noch zu wenig Väter ihren Vaterjob machen, die Antwort wäre: Wenn es Männer von diesem Elterngedröhne abhält, ist es das vielleicht wert?

Drittens: Hups, kein Platz mehr. Männer! Nicht traurig sein. Später, versprochen!