An den Skandalen kann es nicht gelegen haben. Göttingen, Regensburg, München, Leipzig, Münster – Tricksereien am Vergabesystem beherrschten zuletzt die Schlagzeilen zum Thema Organspende. Ärztefunktionäre mahnten, diese Berichterstattung drücke die Spendenbereitschaft in Deutschland weiter nach unten.

Hat sie das? Nein. Etwa jeder siebte Deutsche, der dafür infrage kommt, besitzt auch einen Organspendeausweis. Das ist eine glatte Verdopplung im Vergleich zum Jahr 2010.

Doch es gibt da eine zweite, rabenschwarze Neuigkeit: Alles deutet für 2013 auf einen Negativrekord bei der Zahl der Verpflanzungen hin, auf den niedrigsten Wert seit den neunziger Jahren. Wie jetzt? Mehr Menschen tragen einen Spenderausweis, aber es werden weniger Organe transplantiert?

Tatsache ist, in Deutschland sterben täglich rund 2400 Menschen, überwiegend Alte und Kranke. Aber nicht nur. Wer relativ jung und gesund etwa an einem Schädel-Hirn-Trauma infolge eines Verkehrsunfalls stirbt, dessen Herz oder Lunge könnten Mitmenschen das Leben retten. Zugleich sterben jeden Tag drei Wartende, bevor ihnen ein Ersatzorgan verpflanzt werden kann. Ein tragisches, ja groteskes Missverhältnis.

Weshalb seit vergangenem November eine neue Regelung gilt. Alle zwei Jahre müssen die Krankenkassen jetzt ihre Versicherten mit der Frage konfrontieren, ob ihnen im Todesfall Organe entnommen werden sollen. Die "Zustimmungsregelung" war ein Kompromiss. Begleitend appellierte eine große Werbekampagne ("Das trägt man jetzt") an die Freiwilligkeit. Verfechter einer "Widerspruchsregelung" hatten gefordert, jeder müsse als potenzieller Organspender gelten, der zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen habe. Das scheint nicht nötig, da doch der Zuwachs an Spendewilligen für die neue Regelung spricht.

Woher aber dann das Minus bei den Verpflanzungen? Nicht aufseiten der Spender, sondern bei den Ärzten könnte das Problem liegen. Die Stiftung Organtransplantation erklärt den Rückgang mit deren "Verunsicherung". Zugespitzt: Einen Spender ans Transplantationszentrum zu melden macht zu viel Arbeit und Ärger. Also lassen es viele einfach bleiben.

Stimmte das, dann bräuchte Deutschland nach der Plakatkampagne für die Bürger nun eine Aufklärungskampagne für Mediziner.