DIE ZEIT: Sie sagen, Braunkohle müsse weiter zur Stromerzeugung genutzt werden. Warum?

Ulrich Freese: Weil sie der verlässliche Partner von Grünstrom ist. Weil sie in Deutschland vorhanden ist und preisgünstig gewonnen werden kann.

ZEIT: Und wie lange noch?

Freese: Für 45 bis 50 Jahre. So lange wird es dauern, bis grüner Strom ausreichend gespeichert werden kann und so Versorgungssicherheit garantiert ist.

ZEIT: Zur Versorgungssicherheit könnten auch Steinkohle oder Gas beitragen.

Freese: Steinkohle müssen wir importieren. Ob sie preisgünstig bleibt, ist die Frage.

ZEIT: Braunkohle ist der dreckigste Brennstoff, der zur Stromerzeugung genutzt wird. Kein Problem?

Freese: Der Kohlendioxidausstoß ist höher ...

ZEIT: ... dreimal höher als bei der Verstromung von Gas ...

Freese: ... aber bei der Förderung und dem Transport von Gas entweicht Methan, das ist 25-mal schädlicher für das Klima als CO₂. Überdies haben wir nicht genügend Gas in Deutschland, schon gar, wenn wir auf Fracking zur Förderung aus unkonventionellen Lagerstätten verzichten.

ZEIT: Aber den klimaschädlichsten Rohstoff zu nutzen passt doch nicht zum Ziel, so klimafreundlich wie möglich Strom zu produzieren!

Freese: Gerade mal drei Prozent des weltweiten CO₂-Ausstoßes entfallen auf Deutschland. Zugleich werden weltweit, jährlich ansteigend, fünf bis sechs Milliarden Tonnen Kohle verstromt. Unsere Aufgabe ist es, zu beweisen, dass man Kohle umweltfreundlich einsetzen kann.

ZEIT: Umweltfreundlich?

Freese: Zum Beispiel indem wir das in Kraftwerken abgeschiedene Kohlendioxid etwa in der chemischen Industrie weiterverwerten. Damit tragen wir mehr zur Verbesserung des Weltklimas bei als durch einen Verzicht auf Kohle.

ZEIT: Den Menschen, die durch die Braunkohletagebaue ihre Heimat verlieren, hilft das wenig.

Freese: In meinem Wahlkreis müssen etwa 2.000 Bewohner umgesiedelt werden, um noch 30 bis 40 Jahre Braunkohle zu fördern. Das ist ein schmerzlicher Prozess. Aber ihre Heimat verlieren in einer strukturschwachen Region wie der Lausitz oft auch jene, die ihre Arbeit verlieren. Es hilft nichts: Das muss man gegeneinander abwägen.