"Bücher? Total uncool!" Seit Jahren schon geht die Sorge um, dass Kinder und Jugendliche so denken. Neben Fernsehen, Computerspielen und Internet habe das Buch kaum Überlebenschancen, fürchten besorgte Verleger, Buchhändler, Erzieher und Großeltern. Und durch die Tablet-Computer und Smart-Phones sei es in letzter Zeit noch schlimmer geworden. Auf den Geräten könne man zwar auch digitale Bücher lesen, aber die "jungen Leute" würden sowieso nur daddeln und Filmchen gucken.

Wenn wir von der ZEIT mit Kindern und Jugendlichen sprechen, sie in den Schulen besuchen und mit ihnen diskutieren, entsteht bei uns ein anderes Bild: Die meisten lesen in ihrer Freizeit ein Buch (kein Schulbuch!). Sie tun es freiwillig. Und sie tun es – kaum zu glauben – gern!

Das sind doch nur Einzelbeobachtungen, könnten Skeptiker erwidern. Stimmt. Aber die großen Untersuchungen zum Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die Mini-KIM-, KIM- und JIM-Studien, bestätigen unsere Erfahrungen.

Die größten Buchfans sind die, die noch gar nicht lesen können. Erstmals wurden 2012 in der Mini-KIM Daten für 2- bis 5-Jährige erhoben. Das Ergebnis: 45 Prozent der Kleinkinder beschäftigen sich jeden oder fast jeden Tag mit Büchern, weitere 42 Prozent ein- oder mehrmals in der Woche. Werden die Kinder älter, beginnen sie verstärkt, andere Medien zu nutzen, die 6- bis 13-Jährigen vor allem das Fernsehen, und das geht auf Kosten der Bücherzeit. Trotzdem lesen rund die Hälfte der Kinder in dieser Altersgruppe mindestens einmal pro Woche. Und mit zunehmendem Alter wird auch wieder mehr gelesen: Knapp ein Viertel der Jugendlichen bis 19 Jahre greift täglich zum Buch, weitere 18 Prozent tun dies mehrmals in der Woche.

Auch wenn niemand voraussagen kann, wie E‑Reader und Tablet-Computer unser aller Leseverhalten verändern werden – das Buch hat schon die Erfindung des Radios, des Fernsehens und des Internets überstanden. Vielleicht lohnt ein wenig Vertrauen in das "altmodische" Medium und in die jungen Leser.

Für dieses Kinder- und Jugendbuch Spezial haben wir stellvertretend zehn Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 16 Jahren mit ihren Lieblingsbüchern – analog und digital – zum Interview und vor die Kamera gebeten. Warum sie gern lesen, erzählen sie auf dieser und den folgenden Seiten. Ganz unabhängig vom Alter konnten alle sehr genau sagen, was sie an einem Buch mögen und was nicht.

Die rund 8.000 Kinder- und Jugendbücher, die jedes Jahr auf den Markt gebracht werden, können sich also über kompetente und kritische Leser freuen. Verleger und Autoren sollten dies als Ansporn verstehen, ihnen gute Stoffe zu bieten.