Das Schöne an der Sprache ist ihre Flexibilität. Manche Begriffe wirken oft so hart und unnachgiebig, dass ein wenig Poesie nicht schaden kann. Beispielsweise darf der sogenannte Transparenzsenat der Parteien nicht veröffentlichen, warum er welche Geldstrafe im Zusammenhang mit der Wahlkampffinanzierung verhängt hat. Transparenz bedeutet eigentlich durchscheinend, im erweiterten Sinn kann daher auch nachvollziehbar gemeint sein. Eine allzu wörtliche Begriffsdefinition scheint im Fall dieses Transparenzsenats allerdings nicht angebracht zu sein. Scheinen weist ja einerseits darauf hin, dass eine Sache hellen Glanz besitzt, der sich strahlend seine Bahn bricht wie Sonnenlicht durch trübe Fensterscheiben. Diese Assoziation kann in diesem Kontext wohl eher vernachlässigt werden. Hier glänzt wirklich nichts. Andererseits könnte bei dieser Form von Transparenz auch ein gewisser Schein gemeint sein, der gewahrt werden soll. Dadurch scheint das Problem gelöst, wenn auch nur scheinbar. Und die Scheine, die im Wahlkampf den Besitzer wechselten, bleiben sehr transparent im Dunklen. Diese Art der Transparenz ist ja auch oft in Steueroasen anzutreffen. Wobei Oase üblicherweise einen sehr angenehmen, häufig auch lebensrettenden Ort bezeichnet, wo Schatten spendende Palmen gedeihen und der vom glühenden Sonnenball ausgedorrte Wüstenwanderer Labung findet. Nun sind Steueroasen hingegen für nach zusätzlichen Einnahmen dürstende Finanzpolitiker und Steuerbeamte gar keine angenehmen Orte, da diese Spezies dort derart unerwünscht ist, dass man ihr erst gar keinen Zutritt gewährt. Diese unscheinbaren Unterschiede machen deutlich, in welch vielfältiger Verkleidung die Sprache dem Sprecher gegenübertritt, auf dass er seine Zuhörer mit einem raffinierten Begriffskostüm verwirrt. Der vermeint ein braves Schaf zu erkennen, dem er sich zutraulich nähern will; doch in der Worthülle steckt in Wirklichkeit ein wölfisches Wesen, das ihn alsbald zu verschlingen droht. Wie man sieht, können sprachliche Nuancen fatale Folgen zeitigen. Im Fall des Durchscheinsenats der Parteien verhält es sich so, dass er bei Verstößen gegen das Reglement der Wahlkampffinanzierung eine Entscheidung nur dann veröffentlichen muss, wenn bei einer leichten Regelwidrigkeit eine Geldbuße verhängt wurde, nicht aber in einem schweren Fall eine Geldstrafe. Völlig logisch, denn Buße besteht ja aus der Umkehr des Sünders zu moralischem Verhalten. Und gerade diese öffentliche Umkehr lässt den Schluss zu, dass im Grunde eigentlich nicht wirklich etwas passiert ist. Das ist wahre Transparenz.